author-img
Mario Büscher
Redakteur

Hallo zusammen,

der Festweg zwischen dem Ückendorfer Lidl und dem Jugendzentrum Spunk war in den vergangenen Wochen im Fokus der Berichterstattung über Jugendkriminalität. Einige Eltern und Kinder haben Angst sich in dem Bereich aufzuhalten und meiden den Heimweg am Jugendzentrum vorbei. Das zeigt eine Umfrage in unserem Crowdnewsroom, die wir diese Woche gestartet haben. Gleichzeitig ist das Jugendzentrum ein Raum für Kinder und Jugendliche, die sonst kaum andere Möglichkeiten haben, ihre Freizeit zu gestalten.

Darum geht es: Überfälle von Kindern und Jugendliche auf andere Kinder und Jugendliche haben sich in Ückendorf zu Jahresbeginn gehäuft. Eltern haben Angriffe öffentlich gemacht, eine Demo vor dem Rathaus veranstaltet und im Ordnungsausschuss gesprochen. Ein Teil der Vorfälle soll um das Jugendzentrum Spunk passiert sein. Bei einem soll eine Mitarbeiterin des Spunk eingegriffen haben. Im Nachgang sieht sich das Jugendzentrum teilweise mit Kritik konfrontiert. In der Umfrage in unserem Crowdnewsroom fordern Eltern eine härtere Gangart des Jugendzentrums gegenüber Jugendlichen und Kindern, die sich nicht benehmen. Polizei und Ordnungsamt erhöhen nach eigenen Angaben ihre Präsenz im Stadtteil.

Das Spunk: Auch Sebastian Kolkau vom Jugendzentrum rechnet damit, dass mehr Polizei und Ordnungsdienst an Hotspots kurzfristig helfen kann, Überfälle einzudämmen. „Ich glaube aber nicht, dass das langfristig hilft. Kriminalität wird sich dann eher verlagern, aber nicht verhindert”, sagt er uns beim Gespräch am Mittwoch vor Ort in Ückendorf. Er und seine Kolleginnen und Kollegen setzen vor allem auf Prävention. „Eines der wichtigsten Themen für uns ist es, Vertrauen aufzubauen”, sagt er. In das Jugendzentrum am Festweg kämen viele Jugendliche und Kinder aus Rumänien und Bulgarien, viele davon Roma. Herkunft spielt in der täglichen Arbeit laut Kolkau aber eine eher untergeordnete Rolle. Es gehe darum, die sozialen Hintergründe der Menschen zu verstehen. Viele Jugendliche im Spunk etwa hätten Angst vor Behörden oder der Polizei, auch aufgrund von Diskriminierungserfahrungen in ihren Heimatländern. Das müsse man beachten.

Den Vorwurf, Kriminalität zu dulden, weist er hingegen zurück. Die Mitarbeitenden des Spunk hätten Täterbeschreibungen der Polizei im Blick, könnten damit aber häufig nicht viel anfangen, weil sie nicht genau genug sind. Kolkau sagt auch: „Wenn jemand sich bei uns daneben benimmt, fliegt er oder sie raus.” Es gebe aber die Chance, nach einer Entschuldigung am nächsten Tag wiederzukommen.

Das Jugendzentrum sei ein Ort, an dem die Jugendlichen Sachen machen können, die zu Hause wegen des oftmals geringen Platzes oder wenig Geld nicht möglich seien: Playstation spielen, sprayen oder Musik aufnehmen.

Die Angst: Wir haben zum Thema Jugendkriminalität eine Umfrage in unserem Crowdnewsroom gestartet. Viele von Ihnen haben sich daran beteiligt, einige berichten von Bedrohungen durch Jugendliche, körperliche Angriffe und Beleidigungen. Andere haben aufgrund dieser Berichte Angst, sich an bestimmten Stellen im Stadtteil aufzuhalten. „Ich kann nachvollziehen, dass man sich unsicher fühlt, wenn eine Gruppe Männer im Hauseingang steht. Das wirkt erst einmal bedrohlich”, sagt Kolkau. Insbesondere auf der Ückendorfer Straße ist oft viel los und der Bürgersteig schmal. Er selbst wird auf der Straße alle paar Meter begrüßt. Bei anderen sei das aber nicht so, ein Unsicherheitsgefühl deshalb durchaus nachvollziehbar. Kolkau würde sich mehr Austausch zwischen der gesamten Nachbarschaft wünschen.

Auch Lob für das Spunk gibt es in unserer Umfrage: Dort würde „hervorragende Integrationsarbeit” geleistet. Der Antwortgeber wünscht sich eine bessere Vernetzung von anderen Jugendangeboten im Stadtteil und dem Spunk.

Die Finanzierung: Im Spunk und auch dem benachbarten La Palma auf der Ückendorfer Straße arbeiten nach Angaben des betreibenden Vereins nur Ehrenamtliche und Bundesfreiwilligendienstleistende (Bufdis). Jährlich gibt es für die beiden Standorte und den Standort Rotthausen insgesamt 56.000 Euro. Bezahlt werden den Angaben nach davon Mieten, Nebenkosten, Bufdis und einige Materialien. Für die Angebote werden darüber hinaus Projektmittel beantragt. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter würde laut Kolkau rund 80.000 Euro kosten. Das ist mit dem Geld nicht möglich. „Verglichen mit anderen Städten gibt es in Gelsenkirchen noch vergleichsweise wenig Geld”, sagt Kolkau. Es sei allerdings gut, dass der Betrag zuletzt gestiegen ist.

Ortswechsel: In einer anderen Ecke von Ückendorf sitzt Erkan Öztürk mit zwei Jugendlichen im Tonstudio des Jugendtreffs Ücky. Der Computer mit dem Aufnahmeprogramm fährt seit mehreren Minuten hoch und muss dann zweimal neu gestartet werden. Eine halbe Stunde dauert es, bis die Jugendlichen einen Rapsong aufnehmen können. Am besten soll der PC in Zukunft nicht mehr ausgemacht werden. Dauert zu lange, bilanzieren die drei. Auch hier ist Geld ein Thema. „Investiert in die Jugend”, sagt Öztürk. Für nachhaltige Sozialarbeit brauche es höhere finanzielle Mittel.

Am Dienstag war die Finanzierung der offenen Jugendhilfe Thema im zuständigen Ausschuss. Gut 2,6 Millionen Euro Förderung gibt es für die Träger der offenen Jugendhilfe in Gelsenkirchen von Stadt und Land im laufenden Jahr. 

Recherche geht weiter: Unsere Recherche zur Jugendkriminalität geht weiter. Sie können sich nach wie vor daran beteiligen. Klicken Sie dafür auf den Button.


dot

Heute wichtig

+++ BP verkauft ihre Raffinerie in Scholven an die Klesch Group. Das hat BP am Donnerstagmorgen mitgeteilt. Die Klesch Group ist in mehreren Ländern aktiv, unter anderem betreibt das Unternehmen eine Raffinerie in Schleswig-Holstein. Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze begrüßte, dass nun Klarheit über den Verkauf herrsche und forderte gleichzeitig eine „langfristige Perspektive für den Standort und die Beschäftigten”. Stadt Gelsenkirchen und BP Deutschland


dot

Heute machen

Das ist heute in Gelsenkirchen los: 

+++ Fahrrad-Werkstatt, Workshop, Alfred-Zingler-Haus, ab 12 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Stattwerkstadt, Workshop, MiR-Lab, 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Queer Film Nacht - ENZO, Filmvorstellung, 19 Uhr, Eintritt ab 3 Euro, Alle Infos

+++ Christian Donovan & Hugo Graepel live, Konzert, rosi, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Istanbul Klezmer Kapelye - Jiddische Klänge vom Bosporus, Konzert, Schloss Horst, 20 Uhr, Eintritt ab 15 Euro, Alle Infos

+++ Me and my two horses, Konzert, Rosamunde, 20 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos


dot

Demnächst im Spotlight

19.03.2026 – Köpfe im Spotlight: Sebastian Buntkirchen von Schalke 04

Zum Start unseres neuen monatlichen Talkformats „Köpfe im Spotlight” wollen über den FC Schalke 04 reden. Bestimmt geht's auch kurz um Edin Dzeko und einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga, im Vordergrund soll aber der Verein und die Bedeutung für die Stadtgesellschaft stehen. Unser Gesprächspartner ist Sebastian Buntkirchen, der auf Schalke unter anderem Direktor für Fankultur, Spielbetrieb und Vereinsangelegenheiten ist. Ihn fragen wir: Ist Schalke 04 noch der Identitätsstifter früherer Tage?

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

26.03.2026 – Recht auf Ganztag – machbar oder zu hohe Belastung?

Ab 1. August 2026 haben Erstklässlerinnen und Erstklässler Anspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag. Kommunen klagen und fühlen sich vom Land allein gelassen. Träger fürchten, dass die Betreuung eher zu einer Verwahrung wird. Es fehlen Mensen, Personal und Räume.

Wir wollen mit Expert:innen darüber sprechen, was geschehen muss, um das Recht auf Ganztag gewährleisten zu können. Moderiert wird der Abend von CORRECTIV-Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl. Wie immer wollen wir auch mit dem Publikum diskutieren.

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

09.04.2026 – Olympia oder NOlympia?

Am 19. April dürfen wir alle per Bürgerentscheid mitbestimmen, ob sich Gelsenkirchen an der Bewerbung für olympische Spiele an Rhein und Ruhr beteiligen soll. Im Spotlight diskutieren wir darüber mit Dominic Schneider, Fraktionsvorsitzender SPD im Rat oder Marco Fladrich, Vorsitzender des Sportausschusses für die SPD und Felix Langer, dem Co-Kreisvorsitzenden der Linkspartei.

Beginn: 19 Uhr
; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

Weitere Veranstaltungen im Überblick

+++ 02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Offene Redaktionskonferenz, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos

+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets

Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen


dot

Köpfe im Spotlight

Diese Woche im Kurzinterview: Tom Gawlig, Inhaber der Trinkhalle am Flöz

Was hat Sie motiviert, die Trinkhalle erst in Bochum und dann in Gelsenkirchen aufzumachen?

Ich bin lokalpatriotisch und finde das Ruhrgebiet einfach toll. Früher war ich viel in der Welt unterwegs, hatte dann aber  Heimweh und bin zurückgekommen. Kneipen und Trinkhallen fand ich schon immer cool, also wollte ich es selbst ausprobieren. Erst in Bochum und später in Ückendorf, wo ich mich schnell in den Stadtteil verliebt habe. Mir war es wichtig, meinen Laden so zu gestalten, wie ich Kneipen liebe: Mit einer Theke, gutem Bier und entspannter Atmosphäre. 

Hat Bier im Ruhrgebiet eine andere Bedeutung als in anderen Teilen Deutschlands?

Überall wird gerne Bier getrunken, aber im Ruhrgebiet gehört es dazu und wird sehr emotionalisiert. Es geht nicht unbedingt immer um den Geschmack, der sich teilweise nur in Nuance unterscheidet, sondern was dahintersteht.  Zum Beispiel ist in Gelsenkirchen Stauder gesetzt, obwohl die Rivalität zwischen Rot-Weiß und Schalke ja sehr weit zurückgeht. Das ist manchmal schon fast komisch.  

Wenn Sie eine Sache an Gelsenkirchen ändern könnten, was wäre das?

Da ich selbst begeisterter Fahrradfahrer bin, würde ich mir eine fahrradgerechte Stadt wünschen. 

Tom Gawlig betreibt die Trinkhalle am Flöz in Gelsenkirchen-Ückendorf. Geboren in Datteln, fühlt er sich stark mit dem Ruhrgebiet verbunden. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler, arbeitete er viele Jahre für Film und Fernsehen. Vor zwölf Jahren eröffnete er seine erste Trinkhalle in Bochum, 2019 folgte der Standort in Ückendorf. Sein Lieblingsbier ist das selbstgebraute „Goldstandard“, ein unfiltriertes Pils.


Die Kollegen von CORRECTIV haben heute eine weltweite Recherche zum Missbrauch in der Katholischen Kirche veröffentlicht. Dokumente belegen, wie systematisch der Vatikan seit 100 Jahren geheime Akten des sexuellen Missbrauchs angelegt – und wie er über Täter entschieden hat. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.

Und: Es gibt einen Film zur Recherche, den wir am 7. Mai in unserem Café zeigen. Anschließend gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit Marcus Bensmann,  einem der Reporter hinter der Geschichte. Wir sind bald also nicht mehr nur Redaktion und Café, sondern auch Kino.

Bis dann

Mario Büscher

An dieser Ausgabe haben Tobias Hauswurz und Ronja Rohen mitgearbeitet.


dot

Worträtsel

Können Sie das heutige Worträtsel lösen?

So funktioniert's:

Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
  • Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

CORRECTIV ist spendenfinanziert

CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.

Link kopiert!