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Mario Büscher
Redakteur

Liebe Leserinnen und Leser, 

ab kommenden Schuljahr haben Erstklässlerinnen und Erstklässler bundesweit Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Sie müssen also einen Platz bekommen, wenn sie den wollen oder brauchen. Entschieden hat das der Bund. Länder und Kommunen müssen die Entscheidung umsetzen. Besonders in NRW fehlen Plätze.

In Gelsenkirchen soll die Umsetzung klappen. Allerdings nur, wenn einzelne Schulen im Süden und in Gelsenkirchen Mitte „sehr kreativ” werden. Das sagt die zuständige Bildungsdezernentin Anne Heselhaus. Sie betont auch, dass Kinder aus höheren Klassen, die noch keinen Rechtsanspruch haben, ihre Plätze ebenfalls behalten sollen.

Heselhaus ist als Dezernentin maßgeblich dafür verantwortlich, dass genug OGS-Plätze in Gelsenkirchen vorhanden sind und die Ausstattung stimmt. Die Verwaltung stehe als Schulträger vor Herausforderungen, insbesondere, weil der Ganztag mehr sein soll als eine „bloße Betreuung”. Trotzdem soll es zumindest im ersten Jahr funktionieren. Danach aber wird die Belastung weiter steigen. Denn: Bis zum Jahr 2029/30 gilt der Rechtsanspruch nach und nach für alle Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse.

Ganztagsanspruch schon lange beschlossene Sache

Plötzlich kommt der Anspruch auf einen Offenen Ganztagsplatz (OGS) nicht. Die Kommunen hatten fast fünf Jahre Zeit sich vorzubereiten. Bereits 2021 hatte der Bundestag das Gesetz beschlossen. Trotzdem hakt es in Gelsenkirchen noch an allen Ecken und Enden. Das bestätigen Menschen, die im Offenen Ganztag arbeiten gegenüber SPOTLIGHT Gelsenkirchen. Auf sie werden wir in kommenden Ausgaben noch näher eingehen.

Ein Problem: Viele Küchen in den Schulen sind nicht dafür ausgelegt so viele Schülerinnen und Schüler zu versorgen. Anne Heselhaus beschreibt die Küchensituation als „limitierenden Faktor” beim Thema Ganztag. Wie groß die Kapazitäten insgesamt sind und wo genau es Probleme gibt, teilt uns die Stadtverwaltung nicht mit. „Die Küchenkapazitäten sind an jedem Standort unterschiedlich und orientieren sich an den rechtlichen Vorgaben”, heißt es auf unsere Frage.

In den meisten Grundschulen gibt es keine Mensa. Dort müssen die Schüler im Klassenzimmer essen. Heißt auch: Die Kinder verbringen im Zweifel den gesamten Tag in einem Raum – von der ersten Stunde bis zum Ende des Ganztags. Zum Lernen, Spielen und Essen.

Stadtverwaltung erwägt Klage

Die Stadtverwaltung fühlt sich bei der Umsetzung des Ganztags alleingelassen. Sie erwägt deshalb gegen das Land NRW zu klagen. Derzeit warte sie noch laufende Gespräche zwischen Kommunen und dem Land ab.

Mit der Klage wäre Gelsenkirchen nicht allein. Bereits im Dezember und zu Jahresbeginn sind neun NRW-Städte, darunter auch unsere Nachbarstadt Bochum, vor verschiedene Verwaltungsgerichte gezogen. Die Kommunen wollen nicht auf den Kosten für die Ganztagsbetreuung sitzenbleiben. Sie befürchten, dass die Umsetzung sie über die Belastungsgrenze hinaus treibt. Besonders in Gelsenkirchen ist die Stadtkasse ohnehin schon mehr als beansprucht.

Die Argumentation der Kommunen geht so: Der Bund hat das Gesetz zur Ganztagsbetreuung beschlossen und die Länder mit der Ausgestaltung beauftragt. Die aber lassen den Rechtsanspruch von den Städten und Gemeinden umsetzen. In solchen Fällen gilt aber nach Ansicht der klagenden Kommunen das Konnexitätsprinzip: Wer den Rechtsanspruch will, soll ihn auch bezahlen. Deshalb fordern sie ein Gesetz, das die Ausgestaltung und die Kostenübernahme klar regelt. Mehr Infos zum rechtlichen Hintergrund gibt es in diesem Text unserer CORRECTIV-Kollegin.

Zu den Zahlen in Gelsenkirchen: Im nächsten Schuljahr gibt es 6835 Plätze im Offenen Ganztag. Laut Verwaltung sind das 1855 mehr als im laufenden Schuljahr. Die Verwaltung geht dabei davon aus, dass rund 80 Prozent der Eltern von Erstklässlern ihren Anspruch geltend machen werden.

Wir bleiben dran und werden in kommenden Ausgaben regelmäßig über den Ganztag und die Umsetzung des Rechtsanspruches berichten. Arbeiten Sie in dem Bereich oder haben Sie Kinder, die in die Ganztagsbetreuung gehen? Wie läuft das bei Ihnen? Melden Sie sich gerne bei mir unter mario.buescher@correctiv.org oder 0171 7704791.

 Am 26. März haben wir außerdem eine Veranstaltung zum Thema Ganztag mit dem Bildungsteam von CORRECTIV. Anmelden können Sie sich über diesen Link.


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Heute wichtig

Hier kommt der Überblick über die wichtigsten Nachrichten des Tages:

+++ Der Ölkonzern BP verhandelt gerade mit dem Investor Klesch Group über den Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf das Nachrichtenmagazin Politico. Laut WAZ will BP noch im laufenden Monat verkaufen. Reuters / WAZ

+++ Der Besitzer eines Hauses an der Goldbergstraße in Buer weigert sich weiter, die Skulptur eines Nazi-Künstlers zu restaurieren und wieder an seiner Fassade anzubringen. Die städtische Denkmalbehörde will ihn dazu verpflichten, weil die gesamte Fassade unter Denkmalschutz steht und der Eigentümer diese saniert hat. Die Statue wurde 1928 von einem Bildhauer gebaut, der später für die Nationalsozialisten gearbeitet und unter anderem Statuen für das Berliner Olympiastadion entworfen hat. Er galt als einer der Lieblingskünstler Adolf Hitlers, schreibt die WAZ. WAZ


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Heute machen

Das ist heute in Gelsenkirchen los: 

+++ Kneipen-Quiz, Fragen zum Ruhrgebiet und zu Gelsenkirchen, Alfred-Zingler-Haus, 19.30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ ReinGElesen, Augenscheinlich – Lesung mit Rainer Wüst, Das Literatourcafé, 19.30 Uhr, 10 Euro, Alle Infos


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Demnächst im Spotlight

12.02.2026 – Kneipenquiz im SPOTLIGHT

Kommen Sie zu unserem ersten Kneipenquiz und rätseln Sie mit. Zusammen mit der Reporterfabrik von CORRECTIV geht es um Politik, Skurriles, Sport, Medien und vieles mehr. Sie können sich alleine oder als Team mit bis zu sechs Mitspielern anmelden.

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

25.02.2026 – Neuanfang oder weiter so? Diskussion zur Kooperation von SPD, CDU, Grünen und FDP

Gelsenkirchen wird in den kommenden Jahren politisch von einem Vierbündnis geführt. SPD, CDU, Grüne und FDP haben einen Kooperationsvertrag geschlossen und beschreiben darin, was sie in den kommenden Jahren für unsere Stadt umsetzen wollen. Am 25. Februar haben wir die Möglichkeit, mit den beteiligten Parteien über den Vertrag zu diskutieren.

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

Weitere Veranstaltungen im Überblick

+++ 05.03.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Offene Redaktionskonferenz, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos & Anmeldung

+++ 19.03.2026 – Köpfe im Spotlight – unser Talkformat, Gast: Sebastian Buntkirchen von Schalke 04, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos & Anmeldung

+++ 26.03.2026 – Recht auf Ganztag – machbar oder zu hohe Belastung?, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos & Anmeldung

Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen


Unsere Kollegin Lisa Hommel hat am Freitag in Hamburg vor einer Jury unser (Gastro-)Konzept vorgestellt. Es ging um den Einzug ins Finale des Gastro-Gründerpreises. Dafür hat’s am Ende leider nicht gereicht. Wir sind trotzdem stolz und freuen uns über die Halbfinalteilnahme. Danke an Lisa und das gesamte Café-Team für eure Arbeit!

Tschüss und bis bald

Mario Büscher

An dieser Ausgabe hat Tobias Hauswurz mitgearbeitet.


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Worträtsel

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