
Tobias Hauswurz
Hallo zusammen,
die riesigen Müllberge im Hafen Grimberg waren über Jahre Drehkreuz, um Abfälle an anderer Stelle illegal zu beseitigen. Das zeigt eine neue Recherche unseres CORRECTIV-Kollegen Michael Billig. 2012 wurden die Verantwortlichen der Unternehmensgruppe Becker dafür verurteilt. Ein Millionenbußgeld, das einer Firma von Becker deswegen aufgebrummt wurde, ist bis heute nicht vollständig bezahlt.
Darum geht es: Eine Million Tonnen Müll lagern am Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal. Es dürfte eine der größten illegalen Deponien in Deutschland sein. Das Gelsenkirchener Umweltamt ist dafür verantwortlich, die riesigen Schutt- und Ascheberge loszuwerden. Das wird teuer. Das Umweltamt geht in einer letzten Schätzung von rund 70 Millionen Euro Entsorgungskosten aus - eine konservative Rechnung, die gesetzliche Preissteigerungen der letzten Jahre noch gar nicht berücksichtigt. Eine CORRECTIV-Recherche zusammen mit Spotlight Gelsenkirchen zeigte zuletzt: Auch der städtische Entsorger Gelsendienste hat über Jahrzehnte Müll zum Hafen Grimberg geliefert. Die Gelsendienste sollen sich zusammen mit anderen kommunalen Entsorgen an den Entsorgungskosten beteiligen, verlangt die Stadtverwaltung. Die Gelsendienste haben dafür bereits 9,5 Millionen Euro zurückgestellt, andere kommunale Entsorger weigern sich. Die Unternehmensgruppe Becker aus Bottrop, die die Anlagen im Hafen Grimberg seit 1993 betrieb, kann nicht mehr belangt werden: Die meisten Firmen der Gruppe sind pleite oder existieren nicht mehr. Soweit, so bekannt.
Das ist neu: Die Anlagen im Hafen Grimberg waren nicht nur die letzte Ruhestätte für hunderttausende Tonnen Müll. Sie dienten auch als Umschlagplatz und Drehkreuz, um Abfälle anderswo illegal zu entsorgen – auf einer Deponie von Thyssenkrupp, die eine weitere Firma der Unternehmensgruppe Becker eigentlich sanieren sollte. Das zeigen Ermittlungsakten und Strafbefehle, die CORRECTIV vorliegen.
Halde Pluto illegal verfüllt: Von 2006 bis 2010 sollte die Firma Heinrich Becker die Deponie Pluto sanieren, eine Altlast von Thyssenkrupp in Herne. Die Halde besteht vor allem aus toxischen Schlämmen aus der Stahlproduktion. Becker sollte diese fachmännisch abdecken, damit die Gifte bei Regen nicht ins Grundwasser gelangen. Als Abdeckmaterial war unter anderem die Asche aus der Müllverbrennung zugelassen, von der noch heute hunderttausende Tonnen im Hafen Grimberg liegen. So konnte Becker die Asche ganz legal verwerten. Unter der Asche jedoch hatte Becker noch anderen Müll auf der Deponie verscharrt – Material, das nicht erlaubt war: alte Gartenmöbel aus Plastik, ausgediente Autoreifen, Batterien, Gips-Müll, Abfall aus Gießereien, mutmaßlich auch Tankstellen-Boden. So steht es in einem Gutachten, das die Stadt Herne damals beauftragt hatte und das CORRECTIV vorliegt.
Diese Rolle spielten die Anlagen im Hafen Grimberg: Rund 270.000 Tonnen Müll soll Becker in der Deponie Pluto illegal entsorgt haben. Ein ganz erheblicher Teil davon kam von den Anlagen im Hafen Grimberg, urteilte das Amtsgericht Wanne-Eickel. Sie dienten demnach als Drehkreuz und Umschlagplatz. Der Müll wurde zum Hafen Grimberg geliefert, verarbeitet, zur Halde Pluto transportiert und dort illegal unter der legalen Asche-Abdeckung versteckt.
Verantwortliche wurden verurteilt: 2012 verurteilte das Amtsgericht Herne-Wanne dafür fünf Mitarbeiter von Becker zu Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Strafbefehle von damals, die CORRECTIV heute vorliegen, zeigen: Unter den Verurteilten waren auch die beiden Firmenchefs. Sie hatten die illegale Entsorgung veranlasst. Auch der Betriebsleiter der Anlagen im Hafen Grimberg und sein Stellvertreter wurden verurteilt. Der fünfte Becker-Mann wurde belangt, weil er Wiegescheine fingiert haben soll – über „einen an die Waage in Grimberg angeschlossenen Computer“. Zusätzlich musste die verantwortliche Becker-Firma ein 2,5 Millionen Euro teures Bußgeld zahlen. Das Geld hat Becker aber bis heute nur „teilweise“ bezahlt, wie die Staatsanwaltschaft Bochum auf Anfrage von CORRECTIV mitteilt.
Becker äußerte sich auf Anfrage von CORRECTIV nicht – weder zu dem Bußgeld noch zu den Vergehen bei der Sanierung der Schlamm-Deponie Pluto.
Heute wichtig
+++ Das Modegeschäft „Hoch Drei“ an der Hochstraße in Buer will Ende 2026 schließen. Das schreibt die WAZ, die mit Inhaberin Sigrun Müller gesprochen hat. Müller geht nach elf Jahren in der Buerschen Innenstadt in den Ruhestand und plant, künftig einen Teil des Jahres in Kanada zu leben. WAZ
+++ Neue Online-Service stehen ab jetzt im Serviceportal der Stadt zur Verfügung. Anträge wie Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Wohngeld und weitere sozialrechtliche Leistungen können digital beantragt werden. Stadt Gelsenkirchen
Pfannkuchenindex heute: 107
0,29 Euro – so viel kostet es am 31. März 2026 in Gelsenkirchen einen Pfannkuchen zu machen.
Veränderung zur Vorwoche: Der Pfannkuchenpreis ist gleich geblieben.
Unser wöchentlicher Pfannkuchenindex zeigt an, wie teuer das Leben in Gelsenkirchen ist und wie sich die Preise für Grundnahrungsmittel verändern. Liegt der Index über 100 Punkten, sind auch die Preise gestiegen. Ein Index unter 100 Punkten heißt, dass das Leben im Vergleich zum Indextag günstiger geworden ist.
So rechnen wir:
Als Grundlage für unseren Pfannkuchenindex nutzen wir Omas Originalrezept für Pfannkuchen: 2 Eier, 300 ml Milch, 200 g Mehl, 50 ml Mineralwasser und 25 g Butter für die Pfanne. Aus diesem Rezept bekommen wir sechs Pfannkuchen. Die tagesaktuellen Preise für die Zutaten notieren wir jeden Dienstagmorgen im Aldi an der Ahstraße. Der Rest ist Dreisatz. Der Tag, an dem der Index festgelegt wurde, war der 17. Februar 2026 mit einem Preis von 0,27 Euro je Pfannkuchen.
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ Silent Friend, Kommunales Kino, Schauburg Filmpalast, 17:15 und 20 Uhr, Eintritt ab 3 Euro, Alle Infos
+++ Vorstellung des Kooperationsvertrages, Info-Veranstaltung, Eine gute Adresse, 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
Demnächst im Spotlight
01.04.2026 – Power-Point-Karaoke
Beim PowerPoint-Karaoke wird der Vortrag zum unterhaltsamen Abenteuer. Denn hier müssen die Kandidaten eine Präsentation halten, die sie vorher noch nie gesehen haben. Von den besten Tipps zum Überleben bei einer Zombie-Apokalypse über das Machtstreben Napoleons bis hin zum Wegerecht bei Segelbooten ist so ziemlich alles denkbar. Das Publikum entscheidet am Ende, wer am besten präsentiert hat.
Beginn: 19:30 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt 18 Euro (ermäßigt 12 Euro & Community-Ticket 1 Euro)
02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert
Unsere offene Redaktionskonferenz für alle Spotlight-Leserinnen und -Leser. Jeden Monat sprechen wir über die Themen, die Sie bewegen und starten gemeinsam Recherchen. Bei diesem Termin wollen wir vor allem über Jugendkriminalität sprechen. Es ist aber auch Platz für weitere Themen.
07.04.2026 – Live-Podcast „Wir und Heute”: Akten des Missbrauchs – Die Geheimarchive des Vatikans
Ein Zufallsfund eröffnet die Spur zu einem geheimen Vatikan-Archiv: Darin lagern Dokumente über unzählbare Verbrechen im Namen der katholischen Kirche. In einer Spezialausgabe des Podcasts „Wir und Heute” sprechen David Schraven, Martin Kaysh und Marcus Bensmann über die neuen Recherchen von CORRECTIV zum Missbrauch in der katholischen Kirche: „Akten des Missbrauchs” – Die Geheimarchive des Vatikans. Wie die Recherche im Ruhrgebet begann und rund um die Welt bis nach Rom führte.
Beginn: 17 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
09.04.2026 – Olympia oder NOlympia?
Am 19. April dürfen wir alle per Bürgerentscheid mitbestimmen, ob sich Gelsenkirchen an der Bewerbung für olympische Spiele an Rhein und Ruhr beteiligen soll. Im Spotlight diskutieren wir darüber mit der SPD und der Partei Die Linke.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Weitere Veranstaltungen im Überblick
+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Ein Satz in unserer Ausgabe vom Montag hat offenbar für Missverständnisse gesorgt: Wir schrieben, dass unter anderem die Kundgebung des DGB am 1. Mai nicht wie geplant im Musikpavillon im Stadtgarten stattfinden kann. Einige Leserinnen und Leser haben das offenbar so verstanden, dass der Stadtgarten generell als Veranstaltungsort für die Kundgebung ausfällt. Das ist aber nicht der Fall. Lediglich der Musikpavillon kann nicht wie sonst für Reden und das Rahmenprogramm genutzt werden. Es braucht im Stadtgarten also eine andere Lösung, zum Beispiel eine mobile Bühne. Wir bitten um Entschuldigung, wenn unsere Formulierung ungenau war und deshalb für Verwirrung gesorgt hat.
Bis morgen
Ihr
Tobias Hauswurz
An dieser Ausgabe haben Ronja Rohen und Michael Billig mitgearbeitet.
Worträtsel
Können Sie das heutige Worträtsel lösen?
So funktioniert's:
Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.
- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.
