
Bennet Brinkmann
Hallo zusammen,
Müll, Lärm und aggressive Jugendliche. Davon berichten uns Eltern aus Ückendorf. Nach Fällen von Jugendgewalt zu Beginn des Jahres, wollten wir mehr über die Situation im Stadtteil und insbesondere rund um den Lidl-Parkplatz am Festweg wissen und das Dunkelfeld aufhellen. In den kommenden Ausgaben werden wir über die Ergebnisse einer gemeinsamen Recherche mit Anwohnerinnen und Anwohnern berichten.
Darum geht's: In Ückendorf wurden im Februar Jugendliche und Kinder von anderen Jugendlichen angegriffen. Eltern wehrten sich dagegen, demonstrierten vor dem Rathaus und hielten Reden vor der Politik. Unsere Redaktion hat danach schon mehrfach darüber berichtet. Wir sprachen mit der Polizei, mit Eltern, Jugendlichen, Sozialarbeitern und der Verwaltung.
Recherche mit Leserinnen und Lesern: Wir haben Sie gebeten, sich an der Recherche zu beteiligen. Dafür haben wir einen CrowdNewsroom eingerichtet, über den Sie uns von Ihren Erfahrungen berichten konnten. Insgesamt 40 Antworten haben uns darüber erreicht. Sie berichten über Gewalt von Jugendlichen an Jugendliche, Lärmbelästigungen und Verschmutzungen des Viertels. Nicht jede Geschichte können wir überprüfen, denn die Teilnahme war auch anonym möglich. Dennoch: Die Schilderungen können helfen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Alles dreht sich um den Lidl-Parkplatz: Ein beliebter Treffpunkt auch für Jugendliche ist die Discounter-Filiale am Festweg. Eltern schreiben uns, dass es im dortigen Umfeld auf dem Schulweg ihrer Kinder immer wieder zu unangenehmen Situationen kommt. „Mein Sohn wird ständig angepöbelt und es wurde ihm schon oft gedroht, dass man ihm seine Sachen wegnimmt“, schreibt uns eine Person, die anonym bleiben möchte. Mehrere Anwohnerinnen und Anwohner schreiben uns, dass es zudem im vergangenen Sommer, vor allem in den späten Abendstunden, immer wieder zu massiver Lärmbelästigung gekommen sei. Teilweise sollen Kinder auch auf das Dach des Gebäudes geklettert sein. „Die nächtlichen Ruhestörungen sind leider unerträglich und es herrscht ein Angstraum im Bereich des Lidls“, schreibt uns ein Anwohner dazu.
Security soll für Sicherheit sorgen: In der Filiale in Ückendorf arbeitet ein Security-Dienst. Unserer Redaktion schreibt Lidl, dass die Entscheidung für einen Sicherheitsdienst „standortindividuell getroffen“ werde. Zum Kundenverhalten bzw. der Situation auf dem Parkplatz, möchte sich das Unternehmen nicht äußern.
Verwaltung im Austausch mit Lidl: Die Situation scheint den Markt am Festweg aber zu beschäftigen. Die Stadtverwaltung bestätigt SPOTLIGHT, dass der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) regelmäßig im Kontakt mit den Betreibern stehe. „Zuletzt bestand hierzu ein Austausch mit dem Filialleiter von Lidl sowie dem dort eingesetzten Sicherheitsdienst“, schreibt die Stadt unserer Redaktion.
Immer wieder Lärm: Familien, die direkt neben dem Lidl wohnen haben uns außerdem von Lärmbelästigung berichtet. Diese sei so schlimm, dass „man im Sommer nicht bei geöffneten Fenster schlafen” könne. Dabei mache es keinen Unterschied, ob es unter der Woche oder am Wochenende sei. Die Jugendlichen würden dann beispielsweise laut herumschreien oder sich regelrechte Schlachten mit Einkaufswagen liefern, indem sie damit immer wieder gegeneinander fahren und lautstark durch die Gegend schmeißen. Spotlight Gelsenkirchen konnte mehrere Videos von Anwohnern einsehen, die solche Vorfälle zeigen. Ein Anwohnerpaar berichtet auch von Steinwürfen in den Garten ihres Hauses, der nur durch ein Gebüsch und einen kleinen Weg vom Parkplatz getrennt ist. Überprüfen können wir diese Geschichte nicht. Was wir wissen: Einige Anwohnerinnen und Anwohner fühlen sich mittlerweile so gestört, dass sie überlegen, aus dem Viertel wegzuziehen.
Wortgefechte mit Jugendlichen: Ein weiteres Problem sei der Müll, den die Jugendlichen im Viertel entsorgen würden. Immer wieder sollen sie diesen bewusst auf der Straße liegen lassen oder wahllos wegwerfen. Anwohnerinnen und Anwohner berichten uns, dass sie die Jugendlichen öfter auffordern, den Müll wegzuräumen. Allerdings führe das „oft zu Wortgefechten“ bis hin zu Beleidigungn und „keinem Einsehen“ bei den Jugendlichen.
Ordnungsdienst und Polizei keine Hilfe: Wegen der Vorfälle rufen die Anwohner regelmäßig den Ordnungsdienst oder die Polizei. Allerdings sorge das aus ihrer Sicht für keine Verbesserung. Das hat mehrere Ursachen: Zum einen würden die Kinder und Jugendliche regelmäßig wegrennen und „oft in die angrenzenden Gebüsche“ flüchten, sobald die Polizei kommt. Dadurch könne die Polizei nur in seltenen Fällen etwas unternehmen. Zum anderen fehle laut den Anwohnerinnen und Anwohnern die Unterstützung durch das Ordnungsamt.
„Fast Feierabend“: Uns wurde berichtet, dass beinahe täglich dort angerufen wird. Allerdings habe das Ordnungsamt laut den Anwohnern „ganz oft auf die Polizei verwiesen, da sie schon fast Feierabend” hätten. Der Stadt seien diese konkreten Vorwürfe nicht bekannt. Uns schreibt sie: „Beschwerden und Hinweise aus der Bevölkerung werden ernst genommen und entsprechend geprüft.“ Die Probleme würden dann je nach Situation durch den KOD oder die Polizei bearbeitet.
CrowdNewsroom zeichnet einheitliches Bild: Einige Aussagen und Anekdoten von Anwohnern lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das Problem: Vieles, was die Nachbarschaft rund um den Lidl-Parkplatz erlebt, passt in keine Kriminalstatistik, weshalb die Polizei völlig zu Recht immer wieder betont, dass es sich bei Ückendorf nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt handelt. Bei einer Sitzung des Ückendorfer Präventionsrates Ende März sagten einige Anwohner aber auch, dass sie bei vielen Vorfällen die Polizei gar nicht mehr rufen würden, weil das ohnehin nichts bringe. Bei den Antworten in unserem CrowdNewsroom handelt es sich zwar nur um eine kleine Stichprobe, aber viele Erzählungen decken sich und zeichnen ein einheitliches Bild: Anwohner leiden unter der Situation und fühlen sich im Stich gelassen. Die Polizeistatistik allein scheint dort kein ausreichendes Mittel zu sein, um die Situation zu bewerten.
Maßnahmen zur Verbesserung: Auf Nachfrage von SPOTLIGHT schrieb die Stadtverwaltung, dass eine Reihe von Maßnahmen die Situation in Ückendorf verbessern solle. Unter anderem die verstärkte Präsenz des KOD solle dazu beitragen, „Ordnungsverstöße zu unterbinden, die objektive Sicherheitslage und insbesondere das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung durch sichtbare Präsenz zu stärken.“ Auch der Austausch mit den Anwohnerinnen und Anwohnern solle dabei helfen. Die Stadt schreibt allerdings auch, dass im Rahmen der Streifentätigkeiten des KODs „derzeit keine negativen Erkenntnisse oder besonderen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Jugendlichen“ vorlägen.
Heute wichtig
+++ Klimaaktivisten sind am vergangenen Freitag auf das Werksgelände von Uniper in Scholven eingedrungen. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot vor Ort um die „kritische Infrastruktur“, also das Kraftwerk, zu sichern. Der Vorfall soll in Zusammenhang mit einem Klimacamp in Hamm und mehreren Demonstrationen im ganzen Ruhrgebiet stehen. Der Einsatz in Scholven dauerte von 10:30 Uhr bis in die Nacht. Insgesamt habe man 258 Strafverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, schreibt die Polizei in einem Abschlussbericht. Polizei Gelsenkirchen
+++ Am Wochenende gab es außerdem gleich zwei Fälle, in denen Polizisten im Einsatz angegriffen wurden. Am Freitagabend trat ein Mann auf dem Heinrich-König-Platz gegen einen fahrenden Streifenwagen und ging mit einer Bierflasche auf die Beamten los. In der Nacht auf Sonntag griffen zwei Männer während eines Einsatzes in einer Wohnung in der Hüttenstraße in Bulmke-Hüllen die Polizisten an und bespuckten sie. Radio Emscher Lippe
+++ Einige Bus- und Bahnfahrten werden ab heute deutlich teurer. Ab dem 1. Juni greift eine Tarifreform, mit der der VRR unter anderem das sogenannte Zwei-Waben-System abschafft. Das erlaubte Fahrgästen, für zwei nebeneinanderliegende Tarifgebiete ein Ticket der Preisstufe A zu nutzen, auch wenn das angrenzende Tarifgebiet in einer anderen Stadt lag. Für solche Fahrten muss in Zukunft das Ticket der Preisstufe B genutzt werden, das fast doppelt so teuer ist. Der VRR vereinfacht mit der Reform sein Tarifmodell. Künftig gibt es nur noch drei Tarife – A für Fahrten in der eigenen Stadt, B für Fahrten in die Nachbarstadt und C für das gesamte VRR-Gebiet. Der Fahrgastverband ProBahn kritisiert die Änderung. Der VRR wolle Kunden vor allem zur Nutzung des Online-Ticktes „Eezy“ drängen, bei dem der Tarif gleich bleibt. Radio Emscher Lippe
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ GEschichtenzeit in Buer, gemeinsames Lesen, Stadtteilbibliothek Buer, 17 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Gelbe Briefe, Kommunales Kino, Schauburg Filmpalast, 17.45 Uhr und 20.15 Uhr, ab 3 Euro, Alle Infos
Demnächst im Spotlight
11.06.2026 – Kirchennachnutzung: Was wird aus unseren Gotteshäusern?
Gemeinden werden zusammengelegt, Gottesdienste bleiben leer und Kirchen werden entweiht. Wie kann eine Nachnutzung aussehen? Darüber wollen bei uns im Café Spotlight diskutieren. Mit dabei sind Heiner Montanus, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises in Gelsenkirchen und Wattenscheid und Kim Lempelius vom Kunstfestival Manifesta.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
25.06.2026 – Kneipenquiz im SPOTLIGHT
Es ist soweit: Die zweite Runde unseres Kneipenquiz geht an den Start. Wer hat für Schalke das bisher letzte Tor in der Bundesliga geschossen? Welche Städte erkennen Sie auf einen Blick? Und wie Gelsenkirchen-Fit sind Sie? Es wird ein paar kleine Neuerungen geben. Für das Gewinner-Team winkt aber wieder eine Überraschung, eine Medaille und ewiger Ruhm.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Ich hoffe, Sie starten gut in die verkürzte Woche und wir lesen uns morgen wieder. Bleiben Sie neugierig!
Bis dahin
Bennet Brinkmann
An dieser Ausgabe haben Mario Büscher und Tobias Hauswurz mitgearbeitet.
Worträtsel
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So funktioniert's:
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- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
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