
Mario Büscher
Hallo zusammen,
Opfer des Sparkassen-Einbruchs haben am Donnerstag in Buer demonstriert. Sie forderten Infos zum Sicherheitssystem im Tresorraum, rechtliche Konsequenzen für die Sparkasse Gelsenkirchen und den Rücktritt von deren Chef Michael Klotz.
Darum geht’s: Nach dem Sparkassen-Einbruch Ende Dezember vergangenen Jahres in Buer gibt es viele Geschädigte. 3100 Schließfächer haben die Täter aufgebrochen und dabei Schmuck, Gold, wichtige Dokumente und Geld gestohlen. Der Schaden ist bisher schwer zu schätzen. Versichert sind standardmäßig jeweils 10.300 Euro pro Opfer, bei einigen dürfte der Wert aber deutlich darüber liegen. Am Donnerstag trafen sich hunderte Opfer an der Domplatte, um zu protestieren.
Das forderten die Menschen: Unter den laut Polizei rund 500 Demonstrierenden waren viele Geschädigte. Mit Trillerpfeifen verschafften sie sich Gehör, auf ihren Transparenten forderten sie „Aufklären statt Lügen“ und „Gerechtigkeit“. Der Sparkasse warfen sie vor, an der Sicherheit gespart zu haben. Auch Rukiye Bayram stellt auf ihrem Plakat die Frage, ob die Sicherheit ausreichen geprüft wurde. Sie ist nach eigenen Angaben selbst Opfer des Einbruchs. Im Dezember konnte sie den Berichten erst nicht glauben. „Ich dachte: Das kann nicht passieren“, sagt sie. Anschließend sei für sie eine „Welt zusammengebrochen“.
Ein anderer Mann will seinen Namen nicht im Internet lesen. Er hatte Geld für die Rente in die Schließfächer gelegt, sagt er. Das ist jetzt weg. Er kritisierte besonders die Kommunikation der Sparkasse. „Die sollen einfach sagen was war und wie gesichert wurde“, forderte er. Eine andere Frau rechnet nicht mehr damit, das Gold aus ihren beiden Schließfächern jemals vollständig wiederzubekommen. „Die Hoffnung habe ich aufgegeben.“ Trotzdem ist sie bei der Demo und will ein Zeichen setzen.

Gegen Vorverurteilungen: Bei der Demo am Donnerstag ging es nicht nur um Verantwortung, sondern auch um die Darstellung der Opfer. Schnell hatten sich nach dem Einbruch Gerüchte verbreitet, es handele sich beim Geld in den Schließfächern um Schwarzgeld, Opfer seien kriminell oder gehörten Clans an. Bestätigt ist das keineswegs.
Das sagt der Veranstalter: Auch für den Veranstalter Soner Sari war die Darstellung der Opfer ausschlaggebend für die Organisation der Demo: „Mein Ziel war es heute, ehrliche Leute zu zeigen. Leute, die wirklich ihr Leben lang gearbeitet haben.“ Demoteilnehmer hielten Schilder mit Bergbaubezug hoch, eines der größten Transparente trug die Aufschrift: „Wir sind Opfer, keine Täter.“
Rücktrittsforderung: Deutlich wurde Sari mit Blick auf den Gelsenkirchener Sparkassen-Chef Michael Klotz. Das Schadensmanagement bezeichnete er als „katastrophal“ und kritisierte die Kommunikation nach dem Einbruch scharf. Sari und der Demozug forderten wiederholt den Rücktritt Klotz’. Der Sparkassen-Chef äußerte sich auf der Demonstration nicht, meldete sich aber vorab in einem Video in den sozialen Medien. Darin sagte Klotz: Er nehme die Kritik und auch die Demonstration „sehr ernst“. Sie sei ein „klares Zeichen, im Gespräch zu bleiben“.


Auch bei der Demo, und umgeben von vier Leibwächtern: Anwalt Daniel Kuhlmann, der nach eigenen Angaben mehr als 650 Geschädigte vertritt. Kuhlmann kam kurz vor Beginn. Am Ende des Demozuges hielt er vor der Filiale der Sparkasse eine kurze Rede. Die Demonstration sei wichtig, um die Betroffenen sichtbar zu machen. Er sei da, um sie zu unterstützen. Die andere Seite sei dann die juristische Aufarbeitung. Im Juni stehen die ersten Verhandlungen seiner Mandanten an. Es handelt sich um Zivilklagen, eine bindende Wirkung für alle Betroffenen ergibt sich daraus nicht. Kuhlmann hofft dennoch auf eine Signalwirkung für die weiteren Verfahren. Auch Rechtsanwältin Figen Özer kündigte am Mikrofon an, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, für alle Betroffenen „zu kämpfen“. Sie vertritt weitere Opfer des Einbruchs, wie sie selbst sagt.
AfD-Vertreter nehmen an Demo teil: Zu Diskussionen hatten bereits vor der Demo Äußerungen der AfD-Landtagsabgeordneten Enxhi Seli-Zacharias bei Instagram gesorgt. Veranstalter Sari hatte sie zur Demonstration eingeladen. Andere Kommentatoren hatten das kritisiert, auch mit Blick auf Äußerungen von Seli-Zacharias kurz nach dem Einbruch. In einem Posting sagte sie: Sie mache keine Politik für diejenigen, die jetzt „wütend vor der Sparkasse stehen, um zu zeigen, dass das so nicht geht“, sondern für die „andere Mehrheit“, die „Oma Hildegard“, die mit ihren Verlusten jetzt „still zu Hause sitzt und weint.“ Deutliche Kritik gab es damals von der Wählerinitiative WIN. Die Partei kritisiert, dass Seli-Zacharias vor allem vielen migrantischen Geschädigten pauschal unterstelle, nun massenweise Schwarzgeld aus angeblich dubiosen Geschäften verloren zu haben. Auch die WIN war am Donnerstag bei der Demo dabei.
Keine Fragen zur AfD: Wir hätten gerne gewusst, ob es eine Verbindung des Veranstalters zur AfD gibt und wie die Diskussion in den sozialen Medien bewertet wird. Fragen dazu durften wir aber nicht stellen. Das Interview beendete Soner Sari umgehend , als wir das zur Sprache brachten. Bei Instagram schrieb er: „Ich finde, man sollte in der Lage sein, einzelne Aussagen oder Gesten unabhängig von der generellen politischen Haltung einer Partei zu betrachten.“
Rund vier Monate nach dem Einbruch gibt die Sparkasse ab Freitag Dokumente an Kunden zurück. Dabei handelt es sich laut Sparkasse vor allem um klar namentlich zuzuordnende Dokumente. Die Rückgabe soll schrittweise erfolgen, nicht alle Gegenstände seien so einfach zuzuordnen wie Kaufverträge oder Fahrzeugbriefe.
Heute wichtig
+++ Das Betreuungsangebot „Verlässliche Schule“ könnte gestrichen werden. Das berichtet die WAZ. Hintergrund soll laut der Zeitung sein, dass sich die freien Träger ab dem Sommer auf die Offene Ganztagsbetreuung konzentrieren. Ab dem kommenden Schultag haben alle Erstklässler darauf einen Rechtsanspruch. Die „Verlässliche Schule“ soll dann schrittweise auslaufen. WAZ
Am Wochenende machen
Das ist am Wochenende in Gelsenkirchen los:
Freitag, 8. Mai:
+++ 1001 Geschichten (Deutsch-Türkisch), mehrsprachige Vorlesereihe, Kinderbibliothek in der Stadtbibliothek, 15 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Dekolonialwarenladen, Austellung, EINladen, 17 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Spieleabend, Consol-Theater (Kellerbar), 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Denkwürdige Architektur - Romanik und Gotik en miniature, Austellungseröffnung, Ev. Christuskirche, 18:30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Toni und Max Uthoff – Einer zuviel, Kabarett, Heilig-Kreuz-Kirche, 19 Uhr, ab 28,30 Euro, Alle Infos
+++ Metal im Revier, Konzert, Musiktheater im Revier (Kleines Haus), 19 Uhr, 15 Euro, Alle Infos
+++ Der BOGESTRA Comedy-Club, Comedy, KAUE, 20 Uhr, ab 12,50 Euro, Alle Infos
Samstag, 9. Mai:
+++ Familienkino, Kino, Kinderbibliothek in der Stadtbibliothek, 10:30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Westafrikanisches Trommeln, Workshop, Bildungszentrum, 14 Uhr, 10 Euro, Alle Infos
+++ Lebensfreude - strahlen die Bilder von Edith Otto aus, Ausstellungseröffnung, Kunstkiosk, 14 Uhr Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Singen macht fröhlich, Mitsing-Konzert, Alfred-Zingler-Haus, 14:30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Dekolonialwarenladen, Austellung, EINladen, 15 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Cyberflöte, Mitmach-Projekt, Foyer Großes Haus, 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Phoenix Effect, Tanzabend, Musiktheater im Revier (Großes Haus), 19 Uhr, ab 16 Euro, Alle Infos
+++ Thomas Philipzen - Hirn in Teilzeit, Comedy, KAUE, 20 Uhr, ab 27,20 Euro, Alle Infos
+++ Klaus Hüpper … mit Senf!, Konzert, Zech Hugo, 20 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
Sonntag, 10. Mai:
+++ Schläfst du?, Theater für Kinder ab 3 Jahren, Consol-Theater, 10 Uhr, ab 6 Euro, Alle Infos
+++ 4. Fahrrad-Erlebnistag, Sport-Event, Hafen Graf Bismarck, ab 11 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Erinnerung an das Kriegsende vor 81 Jahren am 8. Mai 1945, Tag der offenen Tür, Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“, ab 11 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Offene Bleckkirche, 11 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Father Mother Sister Brother, Kommunales Kino, Schauburg, 12:45 Uhr, ab 3 Euro, Alle Infos
+++ Führungen über das IGA-Gelände, Führung, Amphitheater Gelsenkirchen, 13 Uhr, 8 Euro, Alle Infos
+++ Dekolonialwarenladen, Austellung, EINladen, 15 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Rue du Tango - tangoX, Konzert, Matthäuskirche, 18 Uhr, 20 Euro, Alle Infos
Demnächst im Spotlight
16.05.2026 – Lachk(r)ampf
Flachwitze-Abend im Café – unter dem Motto: „Wer zuerst lacht, verliert.“ In gemütlicher Atmosphäre, mit Drinks und leckeren Snacks, tretet ihr gegeneinander an und droppt eure flachsten Witze.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
21.05.2026 – Aufgedeckt – Die Stadt recherchiert
Wir wollen mit Ihnen zusammen aufdecken, was in Gelsenkirchen nicht gut läuft – und auch, was gut läuft. Jeden Monat laden wir Sie zu einer gemeinsamen Redaktionskonferenz ins Spotlight ein. Wir sprechen über unsere aktuellen Recherchen, geben einen Einblick in unsere tägliche Arbeit und suchen nach neuen Perspektiven auf die Nachrichten in der Stadt und in den Stadtteilen.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
22.05.2026 – Game On – Spotlight-Edition
Spieleabend mit abwechslungsreichen Minigames im 4er-Team-Format: In verschiedenen Challenges tretet ihr gegeneinander an und stellt eure Fähigkeiten auf die Probe.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Weitere Events im Spotlight:
+++ Schmutzige Müllgeschäfte und der Tatort Gelsenkirchen, Recherche-Abend mit CORRECTIV-Repoter Michael Billig, 28. Mai, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Power-Point-Karaoke, 29. Mai, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Jagsteit & Friends Live, Konzert, 30. Mai, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Wir haben gestern im Café den CORRECTIV-Film Akten des Missbrauchs gezeigt. Darin geht es um die Verwantwortung des Vatikans bei der Vertuschung tausendfacher sexualisierter Gewalt. Mit unserem Reporter Marcus Bensmann haben wir anschließend über seine jahrelange Recherche gesprochen, die ihn von Bottrop über Rom bis nach Kolumbien und in die USA führte. Auch mehrere Missbrauchsopfer meldeten sich zu Wort und schilderten, wie sie über Jahre von Priestern und Bischöfen missbraucht wurden und wie sie damit noch heute zu kämpfen haben.
Für uns als Medienhaus zeigt das auch: Es ist wichtig an Themen dranzubleiben und immer wieder über Missstände zu berichten, tiefer zu graben, um herauszufinden, wer Verwantwortung trägt. Auch wenn das manchmal Jahre dauert.
Ihnen allen wünsche ich ein gutes Wochenende.
Vielen Dank und liebe Grüße
Mario Büscher
An dieser Ausgabe hat Tobias Hauswurz mitgearbeitet.
Worträtsel
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So funktioniert's:
Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.
- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
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