author-img
Mario Büscher
Redakteur

Guten Tag, 

die Gelsenkirchener Stadtverwaltung will das Sondervermögen vom Bund nutzen, um Turnhallen zu bauen, Schulen zu sanieren und Photovoltaikanlagen auf Dächer zu setzen. Am Freitag hat sie eine Liste mit Projekten vorgestellt, über die bald im Stadtrat diskutiert werden soll.

Darum geht’s: 500 Milliarden Euro will die Bundesregierung in den kommenden zwölf Jahren bundesweit in die Infrastruktur und die Klimaneutralität investieren. An Länder und Kommunen gehen davon insgesamt 100 Milliarden Euro, für Gelsenkirchen bleiben rund 165 Millionen – also etwa 14 Millionen pro Jahr.

Kein Allheilmittel: 14 Millionen Euro pro Jahr klinge erstmal viel, sagte Stadtbaurat Christoph Heidenreich am Freitag im Rathaus. „Rein rechnerisch reicht das Geld aber für eine weiterführende Schule im Jahr.“ Das Sondervermögen sei für die Kommune kein Allheilmittel. Es könne aber dabei helfen, den Investitionsstau abzubauen, länger geplante Projekte umzusetzen und neue anzugehen.

Liste der Verwaltung: Elf Vorschläge für Investitionen in den kommenden Jahren hat die Verwaltung vorgelegt. Vorgaben, wohin das Geld anteilig fließen soll, gibt es vom Bund. Die Hälfte muss in die Infrastruktur von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen fließen. Mit 20 Prozent des Geldes sollen die Kommunen ihre eigenen Gebäude klimagerecht sanieren. Die restlichen 30 Prozent darf die Stadtverwaltung für Straßen und ÖPNV, Digitalisierung, Sportanlagen, öffentliche Sicherheit oder den Schutz vor Umweltkatastrophen und anderen Krisen ausgeben.

Nicht alles neu: Einige der Projekte von der Liste der Verwaltung sind lange geplant, „aber konnten bisher nicht finanziert werden“, sagte Oberbürgermeisterin Andrea Henze. Dabei soll jetzt das Sondervermögen helfen. Hinzu kommen noch ein paar „echte, neue Baumaßnahmen“. Die Stadtverwaltung nutzt also Geld aus dem Sondervermögen für Maßnahmen, die schon im aktuellen Haushalt stehen. Die bereitgestellten Mittel könnten so zügiger verwendet werden, weil etwa Planungen schon gelaufen und Beschlüsse ergangen sind. Das soll den Haushalt „langfristig entlasten“ und „ggfs. anderweitige Handlungsspielräume“ schaffen, wie es in der Vorlage heißt.

💡
Kritik zu Zweckentfremdung:
An der Umsetzung des Sondervermögens gab es in den vergangenen Monaten Kritik. CORRECTIV berichtete darüber vor rund einem Jahr, Forscher legten im März nach. Geld müsse in neue Investitionen fließen und nicht genutzt werden, um Löcher im Haushalt zu stopfen.

Sportplätze und Hallen: Mit 45 Millionen Euro aus dem Sondervermögen will die Stadtverwaltung am Sportzentrum Schürenkamp drei Dreifachturnhallen bauen und so den Bedarf für den neuen Bildungscampus und den Breitensport im Stadtzentrum abdecken. Entstehen sollen die Hallen auf dem Ascheplatz im Norden des Sportzentrums. Die Turnhalle, die dort heute schon steht, soll bleiben. Weitere 15 Millionen Euro plant die Stadtverwaltung ein, um den Bau der schon länger diskutierten Vierfachturnhalle am Max-Planck-Gymnasium und des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums zu beschleunigen. Geld könnte zudem in die BMX-Strecke am Emscherbruch und einen Kunstrasenplatz an der Ewaldstraße fließen.

Geld für Schulgebäude: Im Herbst dieses Jahres sollen die Bauarbeiten für eine neue Grundschule am Wildenbruchplatz starten. 37,5 Millionen Euro sollen dafür aus dem Sondervermögen fließen. „Für das Projekt bekommen wir bereits einen Zuschuss, würden den aber mit dem Infrastrukturprogramm ergänzen“, sagte Christoph Heidenreich. Nicht neu sind auch die Diskussionen über einen Grundschulneubau in Rotthausen. Dafür und für die Sanierung des Volkshauses sind im Sondervermögen 56 Millionen Euro eingeplant. Der zusätzliche Neubau an der Gesamtschule Erle zieht sich ebenfalls seit Jahren. Die Kosten dafür sind mittlerweile auf 21,5 Millionen Euro hochgeschnellt. Geld zur Fertigstellung des Projekts könnte jetzt aus dem Sondervermögen kommen.

Sanierung städtischer Gebäude: Weiter plant die Stadtverwaltung Schloss Berge energetisch zu sanieren . Dafür sieht sie 13 Millionen Euro aus dem Programm vor. Außerdem gibt es 20 Millionen Euro für PV-Anlagen und weitere Dachsanierungen. Insgesamt kommt die Stadtverwaltung bei allen Maßnahmen auf mehr als 164 Millionen Euro. Die Vorschläge sind um fast 50 Millionen Euro überzeichnet. Wie genau die Gelder verteilt werden, könne später noch angepasst werden.

Politik muss entscheiden: Der Vorschlag der Verwaltung soll am 9. Juli zunächst im Stadtrat diskutiert werden. Eine Entscheidung fällt dann allerdings noch nicht – die könnte es im Oktober geben.


dot

Heute wichtig

+++ Bund und Länder haben sich auf eine Finanzreform zur Entlastung der Kommunen geeinigt. Hintergrund ist ein Streit über Gesetze durch den Bund, die auf kommunaler Ebene für Mehrkosten oder Einnahmeausfälle sorgen. Wie die Tagesschau berichtet, können sich Kommunen dagegen kaum wehren. In Zukunft soll der Bund bis zu 80 Prozent der finanziellen Mehrkosten übernehmen, wenn ein Gesetz Kosten von über 200 Millionen Euro verursacht. Die Stadtverwaltung Gelsenkirchen kündigte an, die neuen Regelungen noch im Detail zu prüfen.

+++ Mütter in Gelsenkirchen übernehmen im Krankheitsfall weiterhin den Großteil der Kinderbetreuung. Das geht aus einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, wie die WAZ berichtet. Demnach wurden im vergangenen Jahr 79,8 Prozent aller Kinderkrankheitstage von weiblichen AOK-Mitgliedern beantragt, auf Männer entfielen lediglich 20,2 Prozent. Damit liegt der Anteil in Gelsenkirchen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 73 Prozent. Nach Einschätzung der AOK, zeigt die Auswertung, dass die Betreuung erkrankter Kinder weiterhin überwiegend von Frauen geleistet wird. WAZ


dot

Am Wochenende machen

Das ist am Wochenende in Gelsenkirchen los:

Freitag, 26. Juni

+++ Light in Concert, Objekt-Musik-Performance, Kulturraum „die flora“, 19.30 Uhr, ab 5 Euro, Alle Infos

+++ Folkfriends Fireabend, Konzert, Alfred-Zingler-Haus, 20 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Tangerine Dreams, Klavier-Festival, Heilig Kreuz-Kirche, 20 Uhr, ab 10 Euro, Alle Infos

Samstag, 27. Juni

+++ VibeUp!, Jugendkultur-Festival, Spunk, 17 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Extraschicht – Die lange Nacht der Industriekultur, Kulturevent, verschiedene Standorte, 18 Uhr, ab 15 Euro, Alle Infos

+++ Cute Community Hangout zur Extraschicht, Community-Event mit DJ, Hier ist nicht da, 18 Uhr, ab 15 Euro, Alle Infos

+++ Blicke Replay, Queerer Filmabend, Irgenddorf, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Light in Concert, Objekt-Musik-Performance, Kulturraum „die flora“, 19.30 Uhr, ab 5 Euro, Alle Infos

Sonntag, 28. Juni

+++ Familientag der Verkehrssicherheit, Familienfest, Polizeipräsidium Gelsenkirchen, 10 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Flautetto, Konzert, Propsteikirche St. Urbanus, 16 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Wildes Holz – Blockparty, Konzert, Matthäuskirche, 18 Uhr, ab 29,10 Euro, Alle Infos


dot

Demnächst im Spotlight

02. Juli 2026, 19 Uhr - Aufgedeckt – die Stadt recherchiert

Wir wollen mit Ihnen zusammen aufdecken, was in Gelsenkirchen nicht gut läuft – und auch, was gut läuft. Jeden ersten Donnerstag im Monat laden wir Sie deshalb zu einer gemeinsamen Redaktionskonferenz ins Café Spotlight ein.

09. Juli 2026, 19 Uhr - Lesestoff & Spritz

Unsere zweites Buch-Speeddating im Spotlight – dieses Mal in der sommerlichen Aperitivo-Style-Edition. Unsere Redaktion und das Team der Buchhandlung Kottmann am Heinrich-König-Platz stellt den besten Lesestoff für den Sommer vor.

Weitere Veranstaltungen im Überblick:

+++ DerWeyers, 11. Juli, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos & Anmeldung
+++ Fahrrad vs. Gelsenkirchen, 16. Juli, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos & Anmeldung


Es ist weiterhin sehr heiß, passen Sie auf sich auf! Außerdem kann es sein, dass Veranstaltungen kurzfristig wegen der Hitze ausfallen. Informieren Sie sich vorher lieber nochmal, bevor Sie umsonst losziehen.

Schönes Wochenende!

Ihr

Mario Büscher

An dieser Ausgabe hat Bennet Brinkmann mitgearbeitet.


dot

Worträtsel

Können Sie das heutige Worträtsel lösen?

So funktioniert's:

Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
  • Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

CORRECTIV ist spendenfinanziert

CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.

Link kopiert!