
Tobias Hauswurz
Hallo zusammen,
die mit Abstand häufigste Frage, die wir von Ihnen zur Olympiabewerbung Gelsenkirchens bekommen haben, lautete: Was würden Olympische Spiele in Gelsenkirchen kosten?
Das weiß bisher niemand so genau: Die Stadtverwaltung sagte uns, dass es noch keine Kalkulation gibt, auch keine grobe. Dafür sei es noch zu früh. Ein Anhaltspunkt ist aber die Fußball-EM 2024. Die kostete Gelsenkirchen laut Stadtverwaltung letztlich rund 13,5 Millionen Euro. Darin enthalten: Kosten für Sicherheit, die verschiedenen Fan-Feste und Aktionen und lokales Marketing.
Die Dortmunder Stadtverwaltung hat die Kosten für Olympia vorab zumindest grob geschätzt: Sie geht von 10 Millionen Euro aus. Darin enthalten:
- Zwei Millionen Euro für Sicherheit,
- fünf Millionen Euro für Fan-Aktivierung,
- eine Million Euro für Marketing und
- zwei Millionen Euro für Personalkosten in der Stadtverwaltung.
Die Dortmunder Schätzung beruht allerdings auf dem Preisniveau von 2025.
Das kostet der Bürgerentscheid in Gelsenkirchen: Insgesamt 635.000 Euro. 600.000 Euro davon fallen für die Durchführung der Befragung an, 35.000 Euro für die Bewerbung des Bürgerentscheides. Von den 600.000 übernimmt die Landesregierung 85 Prozent, die Bewerbungskosten muss Gelsenkirchen selbst tragen. Unterm Strich stehen also 125.000 Euro, die Gelsenkirchen zahlen muss.
Das soll Olympia an Rhein und Ruhr insgesamt kosten: Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet aktuell mit Durchführungskosten in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. In dem Budget ist alles enthalten, was zur direkten Durchführung der Wettkämpfe dient. Auch der temporäre Umbau der Veltins-Arena in ein Schwimmstadion würde aus diesem Topf bezahlt werden. Zur Deckung der Kosten will der DOSB 5,2 Milliarden Euro einnehmen, vor allem aus Sponsoring und Ticketverkäufen. Sollte die Rechnung tatsächlich aufgehen, bliebe also sogar ein Überschuss von 400 Millionen Euro.
Kritiker bezweifeln aber, dass das Geld reicht. Nicht im Durchführungsbudget sind öffentliche Investitionskosten, also zum Beispiel in den ÖPNV. Solche Kosten könnten auf Gelsenkirchen auch zukommen. Es gibt aber noch keine Pläne, ob in Gelsenkirchen zum Beispiel in den ÖPNV investiert werden sollen.
Blick nach Herten: Gestern haben wir mit Thomas Prinz telefoniert. Er ist Fraktionsvorsitzender der SPD in Herten. Warum wir telefoniert haben? Die Hertener SPD hatte im Januar gegen die Durchführung eines Bürgerentscheides gestimmt und diesen damit zunächst verhindert. Interessant ist, wie Thomas Prinz die Ablehnung seiner Fraktion begründet: „Herten ist seit 2025 im Haushaltssicherungskonzept. Wir drehen gerade jeden Euro drei mal um.“ Mit der Argumentation stellt sich die Hertener SPD auch gegen ihre Parteikollegen in anderen Städten. Herten habe kaum noch Geld für nötige Investitionen in soziale Einrichtungen oder Kultur. In einem Statement der Partei dazu heißt es: „Die Finanzierung von Großereignissen dürfe nicht zu weiteren Einschnitten bei den freiwilligen Leistungen für Bürgerinnen und Bürgern führen.” Und weiter: „Ein Bürgerentscheid über ein Projekt, dessen finanzielle Lasten für unsere Stadt noch gar nicht abschließend geklärt sind, wäre zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal.” Auch Gelsenkirchen wird ab dem kommenden Jahr voraussichtlich nicht mehr um ein Haushaltsicherungskonzept herumkommen.
Herten und damit auch der Kreis Recklinghausen waren übrigens nur zeitweise raus aus dem Rennen um Olympia. Nach der Ablehnug wurde der gleiche Antrag in einer späteren Sitzung erneut zur Abstimmung gestellt und bekam dann doch die nötige Mehrheit, obwohl die Hertener SPD bei ihrem Nein blieb.
Auch heute Abend wollen wir darüber sprechen, ob sich Gelsenkirchen Olympische Spiele leisten kann. Dominic Schneider, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat und Marco Fladrich, Vorsitzender des Sportausschusses kommen zu uns ins Spotlight. Die SPD in Gelsenkirchen ist für Olympia. Einer von beiden diskutiert mit Martin Gatzemeier, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat, der gegen Olympia ist. Kommen Sie auch gerne vorbei, es geht um 19 Uhr los.
In unserer morgigen Ausgabe beantworten wir dann noch weitere Ihrer Fragen und blicken insbesondere darauf, ob sich Olympische Spiele für die ausrichtende Region wirtschaftlich lohnen können.
Heute wichtig
+++ Die historische Glückauf-Kampfbahn bekommt ein Virtual-Reality-Erlebniszentrum. Das meldet Radio Emscher Lippe. In einem Teil der Glückauf-Kampfbahn sollen Besucher bald mit VR-Brillen die Vergangenheit des Stadions und des Stadtteils Schalke erkunden können. Grundlage dafür sollen historische Fotos aus 100 Jahren Geschichte sein, aus denen eine virtuelle 3D-Welt gebaut wird. Die Bezirksregierung in Münster fördert das Projekt mit mehr als 400.000 Euro. Radio Emscher Lippe
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ Stadtwerkstatt, Theater-Workshop, MiR-Lab, 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Sophia Merwald liest „Sperrgut“, Lesung, Eine gute Adresse, 19 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
Spot On: der Kulturtipp fürs Wochenende
Präsentiert von GelsenMyLove:
Vernissage „I AM WOMAN“ von Roxane Kressin und Maria Meza mit Live-Musik: Eine emotionale, expressive Auseinandersetzung mit Weiblichkeit, Körper, Ästhetik und Intuition – jenseits gesellschaftlicher Normen. Gezeigt werden Mixed-Media-Arbeiten aus Malerei und Zeichnung mit Acryl, Aquarell, Graphit, Tusche und Markern. Ausstellungsdauer bis 15.05.2026.
+++ Sonntag, 12.04.2026, 17:00-19:30 Uhr; Wohnzimmer GE (Wilhelminenstr. 174b); Eintritt frei
Blog, Instagram, Newsletter: Kirsten Lipka zeigt unter GelsenMyLove, was Gelsenkirchen kulturell zu bieten hat. Und ab nun auch jeden Donnerstag im Spotlight.

Demnächst im Spotlight
09.04.2026 – Olympia oder NOlympia?
Am 19. April dürfen wir alle per Bürgerentscheid mitbestimmen, ob sich Gelsenkirchen an der Bewerbung für olympische Spiele an Rhein und Ruhr beteiligen soll. Im Spotlight diskutieren wir darüber mit der SPD und der Partei Die Linke.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
16.04.2026 – Am Limit: Wie Deutschlands Schulsozialarbeiter ausbrennen
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von Gewalt betroffen oder haben schwere psychische Erkrankungen. Schulsozialarbeiter sind häufig die ersten, die ihnen helfen. Doch viele von ihnen sind so überlastet, dass sie nicht mehr alle Kinder unterstützen können. CORRECTIV-Bildungsreporterin Miriam Lenz recherchiert dazu seit Monaten und hat Erfahrungen von hunderten Fachkräften in der Schulsozialarbeit gesammelt. Am 16.04. kommt sie nach Gelsenkirchen und stellt ihre Recherchen vor. Zusammen starten wir an diesem Abend eine eigene lokale Recherche. Wir wollen wissen: Wie ist die Situation von Schulsozialarbeitern in Gelsenkirchen? Und was braucht es, damit Kinder und Jugendliche besser unterstützt werden können?
28.04.2026 – Feierabendmarkt 2.0: Was muss passieren, damit der Markt nicht stirbt?
Der Frühling ist da, das schöne Wetter kommt. Die Feierabendmärkte in der Altstadt und in Buer dürften in den kommenden Wochen wieder voller werden. Nach wie vor sind die beiden Märkte ein beliebter Treffpunkt.
Aber wir hören, dass es hinter den Kulissen rumort:
Bei Händlern wächst die Unzufriedenheit über die Organisation. Langjährige Stammbesucher machen sich Sorgen um die Zukunft. Es wird zu wenig gemacht, um die Märkte weiterzuentwickeln, heißt es von verschiedenen Seiten.
Das einzige was hilft: Über mögliche Probleme offen sprechen, aber auch zusammen überlegen, wie Lösungen aussehen könnten. Das wollen wir tun: Am Dienstag, den 28. April, laden wir zu uns ins Spotlight ein. Alle können kommen und mitreden: Händler und Verantwortliche, aber auch Gäste und solche, die es mal waren.
Weitere Veranstaltungen im Überblick
+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Das war es für diese Ausgabe. Ich hoffe, wir sehen uns heute Abend! Falls nicht, hören Sie morgen um 12 Uhr wieder von mir.
Beste Grüße
Ihr
Tobias Hauswurz
An dieser Ausgabe hat Pamela Kaethner mitgearbeitet.
Worträtsel
Können Sie das heutige Worträtsel lösen?
So funktioniert's:
Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.
- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.
