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Tobias Hauswurz
Redakteur

Hallo zusammen,

das historische Verwaltungsgebäude der Zeche Hugo soll an einen Investor verkauft werden. Seit Jahren lässt der jetzige Eigentümer das Haus verfallen. Engagierte Denkmalschützer und Anwohner sind sauer.

Darum geht’s: Um das Gebäude an der Horster Straße 196 gibt es seit Jahren Streit. Der Eigentümer Ilhan Bükrücü wollte das Gebäude gerne abreißen, um Platz für eine Seniorenwohnanlage zu machen. Das Gebäude von 1890 steht aber unter Denkmalschutz und darf deshalb nicht einfach abgerissen werden. Die Folge: Bükrücü lässt das Haus seit nun fast zehn Jahren verfallen. Am Verhalten des Eigentümers gab es immer wieder öffentliche Kritik. Der ehemalige Bergmann Klaus Herzmanatus, der sich für die Erinnerungskultur rund um die Zeche Hugo einsetzt, dokumentiert den Verfall seit Jahren auf Facebook. Die WAZ berichtete bereits 2022 erstmals über den Fall und in der Folge immer wieder. Auch in politischen Gremien wurde versucht, Druck auf Bükrücü auszuüben. Alles ohne Erfolg.

Das ist der Eigentümer: Ilhan Bükrücü ist kein Unbekannter. Der Gesundheitsunternehmer hat mehrere Firmen, unter anderem einen Pflegedienst und das Sanitätshaus Medishop. Er ist auch CDU-Politiker und saß für die Partei lange im Stadtrat. 2020 trat er von seinen Ämtern zurück. Er hatte einige Jahre zuvor Postings geteilt, die den Völkermord an den Armeniern durch die Türkei leugneten. Jahre später hagelte es Kritik, unter anderem vom designierten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, aber auch aus der eigenen Partei. Bükrücü entschuldigte sich anschließend.  

Die Fassade blättert ab, das ehemalige Hugo-Verwaltungsgebäude ist einem schlechten Zustand. Foto: Spotlight Gelsenkirchen

So sieht es vor Ort aus: An vielen Stellen blättert der weiße Putz ab. Manche Wände sind mit Graffiti beschmiert. Die Eingangstüren sind mit Brettern verrammelt. Auf dem Hof stehen einige Transporter, auch die Reste eines Corona-Testzentrums erkennt man noch. Der hintere Gebäudeteil ist an eine Firma für Haushaltsauflösungen vermietet. Als wir durch das offenstehende Tor das Gelände betreten, um einen Mitarbeiter in Medishop-Klamotten anzusprechen, werden wir vom Hof gejagt: Reporter brauche man hier nicht, so der Mann. Wir haben vor Ort auch mit Anwohnern gesprochen. Sie ärgern sich über die entstehende Schrottimmobilie in ihrer Nachbarschaft. Man kann sie verstehen: Alle Häuser drumherum, nebenan und direkt gegenüber, sind saniert. Die Gebäude stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Es handelt sich um Steigerhäuser und Direktorenvillen der Zeche Hugo, die in etwa zur gleichen Zeit gebaut wurden. 

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Das steht im Denkmalschutzgesetz: Eigentümer von Denkmälern sind nach dem Gesetz dazu verpflichtet, das Denkmal zu erhalten. Das heißt: Wer ein Gebäude kauft, das unter Denkmalschutz steht, darf es nicht einfach abreißen. Im Gegenteil: ​Er muss die „denkmalwerte Substanz” dauerhaft erhalten. Tut er das nicht, kann die untere Denkmalbehörde ihn dazu zwingen. Heißt: Sie kann Maßnahmen anordnen, die die Substanz erhalten und kann zum Beispiel fordern, dass Löcher im Dach abgedichtet oder lose Dachziegel befestigt werden. Das Gesetz in Nordrhein-Westfalen bietet einen Ausweg für Eigentümer: Baudenkmäler können abgerissen werden, wenn es nicht wirtschaftlich ist, sie zu sanieren. Um das zu bestätigen, müssen Eigentümer einen unabhängigen Gutachter beauftragen. Die Denkmalbehörde kann den Antrag auf Abriss dann zwar immer noch ablehnen, muss das Gebäude dann im Zweifel aber dem Eigentümer abkaufen, wenn der das fordert.

Das sagt der Eigentümer: Ilhan Bükrücü hat immer wieder gesagt, dass er das Gebäude gerne abreißen würde, um Platz für eine neue Seniorenwohnanlage zu machen. „Es gibt Immobilien in Gelsenkirchen, die deutlich erhaltenswerter sind“, sagte er 2024 der WAZ. Wir haben Ilhan Bükrücü um eine Stellungnahme zum aktuellen Stand gebeten. Der CDU-Politiker wiederholte, was er schon seit Jahren sagt: Das Gebäude sei aus seiner Sicht nicht mehr zu retten. Einen Abriss habe er beantragt, die Denkmalbehörde habe das Gutachten aber gar nicht erst angenommen, weil es formalen Kriterien nicht genügt habe. 

Das sagt die Denkmalschutzbehörde: Wir haben die Stadtverwaltung gefragt, welche Maßnahmen sie in den vergangenen Jahren angeordnet hat, um die Substanz des Gebäudes zu erhalten. Auf unseren Fragenkatalog bekamen wir nur oberflächliche Antworten. Stadtsprecher Martin Schulmann schrieb uns: Das Gebäude werde in regelmäßigen Abständen beobachtet. Derzeit seien am Gebäude alle Löcher geschlossen, durch die Feuchtigkeit eindringen könnte. Mehr könne die Denkmalbehörde nicht fordern. Außerdem sei man regelmäßig mit dem Eigentümer im Gespräch, zuletzt im Dezember 2025. Unsere weiteren Fragen, z.B. welche Maßnahmen im Laufe der Jahre konkret angeordnet wurden oder ob ein Gutachten eingereicht wurde, beantwortet die Stadtverwaltung nicht. Die Denkmalbehörde müsse viele zeitkritische Arbeiten zur Beantragung von Zuschüssen erledigen, schrieb Schulmann „Sie haben sicher Verständnis dafür, dass wir diese Fristen nicht wegen einer Medienanfrage verstreichen lassen wollen.”

Das soll jetzt passieren: Im Gespräch mit uns sagte Bükrücü, dass das Gebäude kurz vor dem Verkauf steht. Es müssten nur noch letzte Details geklärt werden. Ziel des neuen Eigentümers sei es wohl, das Gebäude zu sanieren. Wer der Investor ist, wollte Bükrücü uns aber nicht sagen. Es könnte sich also bald etwas tun an der Horster Straße 196. Warten wir es ab.

Haben Sie weitere Hinweise oder Gedanken zu dem Fall? Dann schreiben Sie gerne eine E-Mail an tobias.hauswurz@correctiv.org oder rufen Sie unter 0170 7062042 an. Danke!


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Heute wichtig

+++ Erneute Streiks bei Bussen und Bahnen. Am Montag betrifft der Arbeitskampf der Gewerkschaft Verdi die Kundencenter und Verwaltungen von Bogestra und Vestischer. Am Dienstag dann bleiben auch die Busse und Bahnen in den Depots. Es ist bereits der vierte Streik in den laufenden Tarifverhandlungen. Die Arbeitnehmer fordern vor allem weniger Arbeitszeit bei gleichem Gehalt . Gewerkschaft Verdi

+++ Der zweite Investor des geplanten Gesundheitszentrums im Gelsenkirchener Süden will weiter am Projekt festhalten. Mit rund 15 Millionen Euro soll aber deutlich weniger Geld eingesetzt werden als die ursprünglichen 50 Millionen Euro, wie die WAZ berichtet. An der Leithestraße soll demnach ein ambulantes OP-Zentrum entstehen. WAZ


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Heute machen

Das ist heute in Gelsenkirchen los: 

+++ Erzähl-Café: Extragast – Monika Kummerhoff, Workshop, Alfred-Zingler-Haus, 14:30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos

+++ Song Sung Blue, Kommunales Kino, Schauburg, 17:45 und 20:15 Uhr, Eintritt ab 3 Euro, Alle Infos

+++ Was uns stärkt und verbindet: Safer Space gegen Rassismus, Austausch, rosamunde e.V., 18 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos


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Demnächst im Spotlight

19.03.2026 – Köpfe im Spotlight: Sebastian Buntkirchen von Schalke 04

Zum Start unseres neuen monatlichen Talkformats „Köpfe im Spotlight” wollen über den FC Schalke 04 reden. Bestimmt geht's auch kurz um Edin Dzeko und einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga, im Vordergrund soll aber der Verein und die Bedeutung für die Stadtgesellschaft stehen. Unser Gesprächspartner ist Sebastian Buntkirchen, der auf Schalke unter anderem Direktor für Fankultur, Spielbetrieb und Vereinsangelegenheiten ist. Ihn fragen wir: Ist Schalke 04 noch der Identitätsstifter früherer Tage?

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

26.03.2026 – Recht auf Ganztag – machbar oder zu hohe Belastung?

Ab 1. August 2026 haben Erstklässlerinnen und Erstklässler Anspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag. Kommunen klagen und fühlen sich vom Land allein gelassen. Träger fürchten, dass die Betreuung eher zu einer Verwahrung wird. Es fehlen Mensen, Personal und Räume.

Wir wollen mit Expert:innen darüber sprechen, was geschehen muss, um das Recht auf Ganztag gewährleisten zu können. Moderiert wird der Abend von CORRECTIV-Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl. Wie immer wollen wir auch mit dem Publikum diskutieren.

19 Uhr
; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

09.04.2026 – Olympia oder NOlympia?

Am 19. April dürfen wir alle per Bürgerentscheid mitbestimmen, ob sich Gelsenkirchen an der Bewerbung für olympische Spiele an Rhein und Ruhr beteiligen soll. Im Spotlight diskutieren wir darüber mit Dominic Schneider, Fraktionsvorsitzender SPD im Rat oder Marco Fladrich, Vorsitzender des Sportausschusses für die SPD und Felix Langer, dem Co-Kreisvorsitzenden der Linkspartei.

Beginn: 19 Uhr
; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

Weitere Veranstaltungen im Überblick

+++ 02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Offene Redaktionskonferenz, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos

+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets

Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen


Das war’s für diese Ausgabe. Kommen Sie gut in die Woche!  

Bis die Tage

Tobias Hauswurz

An dieser Ausgabe haben Mario Büscher und Ronja Rohen mitgearbeitet.


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