
Tobias Hauswurz
Hallo zusammen,
es wird mindestens 70 Millionen Euro kosten, die illegale Mülldeponie im Hafen Grimberg zu beseitigen - und es dürfte noch deutlich teurer werden. Diese neue Zahl nannte das Umweltamt gestern im zuständigen Ausschuss. Auslöser für die Diskussionen waren Recherchen von SPOTLIGHT Gelsenkirchen und CORRECTIV.
Darum geht es: Am Hafen Grimberg lagern rund eine Million Tonnen Rostasche aus der Müllverbrennung und sogenannte „mineralische Abfälle”, vor allem Bauschutt. Die Unternehmensgruppe Becker, die dort vorher zwei Anlagen betrieb, ist längst über alle Berge. Viele Becker-Firmen sind pleite oder existieren gar nicht mehr. Deshalb muss das Gelsenkirchener Umweltamt dafür sorgen, dass die illegale Deponie beseitigt wird. Müllerzeuger sollen zahlen, also zum Beispiel städtische Entsorgungsbetriebe. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sind die so lange für ihren Müll verantwortlich, bis er ordnungsgemäß entsorgt wurde. Eine Verjährung gibt es nicht.
Darum ist das wichtig: Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung ist gesetzlich dazu verpflichtet, die illegale Deponie zu beseitigen. Die Müllberge dürfen nicht einfach liegenbleiben. Im Zweifel muss die Stadt für die Entsorgung bezahlen. Das Umweltamt schätzt die Gesamtkosten für die Entsorgung auf mindestens 70 Millionen Euro. Geld, das Gelsenkirchen in seinem ohnehin auf Kante genähten Haushalt nicht locker machen kann, ohne dafür vieles andere zu streichen.
Die Kosten werden noch höher sein: Die 70 Millionen Euro sind ein Mindestbetrag, weil die Entsorgungskosten zuletzt durch eine neue bundesweite Verordnung noch einmal deutlich gestiegen seien. Die Schätzung ist also veraltet, neu geschätzt habe man aber noch nicht, so das Umweltamt.
Das macht das Umweltamt gerade: Wie wir im Newsletter am Dienstag berichteten, hat das Umweltamt 5.855 Müllerzeuger identifiziert, die zur Kasse gebeten werden könnten. Kontaktiert hat das Umweltamt davon bisher erst sechs, wie die Leiterin der Abteilung technischer Umweltschutz, Ute Niehoff, am Dienstag im Ausschuss sagte. Die Verwaltung hatte uns zuvor noch die Zahl fünf genannt. Auf Nachfrage der CDU-Fraktion nannte Niehoff auch die Menge an Abfall, für die diese sechs Erzeuger verantwortlich sein sollen: „Wenn alles gut läuft und wir diese Abfallerzeuger dazu verpflichten können, alles abzuräumen, liegen wir bei mehr als 500.000 Tonnen.” Das wäre dann ungefähr die Hälfte der Müllberge. Heißt im Umkehrschluss auch: Für die andere Hälfte müssten noch einige weitere der 5.855 Erzeuger haftbar gemacht werden.

Wie lange die Entsorgung noch dauern wird: Das Umweltamt nennt keinen aktuellen Zeitplan. Die Gespräche mit drei städtischen Entsorgungsbetrieben bezeichnete Niehoff als „schwierig”. Dabei dürfte es sich um die Entsorgungsbetriebe von Essen, Bottrop und Herne handeln, die jahrelang Abfälle zum Hafen Grimberg transportieren ließen und nicht noch einmal für Müll zur Kasse gebeten werden wollen, für dessen Entsorgung sie schon einmal bezahlt hatten. Der Betrieb aus Herne zum Beispiel weigert sich nicht nur, er macht dem Gelsenkirchener Umweltamt sogar Vorwürfe: Der Behörde seien „Probleme mit der Anlage im Hafen Grimberg“ seit Jahren bekannt gewesen, heißt es in einem Schriftverkehr mit dem Umweltamt Gelsenkirchen, der CORRECTIV und SPOTLIGHT Gelsenkirchen vorliegt. „Umso verwunderlicher ist es, dass nun wir für die Entsorgung der abgelagerten Abfälle herangezogen werden sollen.” Es geht für die Entsorgungsbetriebe um sehr viel Geld, das sie in der Regel nicht haben: Gelsendienste hat für eine mögliche Entsorgung seines Anteils am Müll im Hafen Grimberg vorsorglich 9,5 Millionen Euro zurückgestellt.
Heute wichtig
+++ Nach dem Sparkassen-Überfall in Buer verzögert sich die Rückgabe persönlicher Gegenstände an Opfer. Grund dafür ist, dass viele Geschädigte noch nicht mit der Polizei gesprochen haben, berichtet der WDR. Demnach haben etwa 900 Geschädigte noch keine Aussage gemacht und keine Inventarlisten vorgelegt. Auch andere Betroffene müssen daher noch auf Gegenstände warten, die beim Überfall im Tresorraum zurückgelassen worden waren. Zwischen Weihnachten und Neujahr waren bisher unbekannte Täter in die Filiale in Buer eingebrochen und hatten Schmuck, Geld und Gold aus mehr als 3000 Schließfächern gestohlen. WDR
+++ Die Zahl der Verkehrsunfälle in Gelsenkirchen ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Die Polizei nahm eigenen Angaben zufolge 2025 insgesamt 11.117 Unfälle auf, das waren fast 400 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Leichtverletzten lag mit 834 etwa auf Vorjahresniveau, mit 95 gab es fünf Schwerverletzte weniger als 2024 und die Zahl der Toten lag in beiden Jahren bei vier. Laut Statistik gab es mehr Unfälle mit Fahrrädern oder Pedelecs und Senioren und Kinder sind „auffällig häufig” an Verkehrsunfällen beteiligt. Polizei Gelsenkirchen
+++ Zwei Jugendliche sollen am Dienstagnachmittag einen 16-Jährigen an der Grillostraße ausgeraubt haben. Das mutmaßliche Opfer war laut Polizei mit der Buslinie 381 unterwegs, als die Täter ihn an der Haltestelle Leipziger Straße aus dem Bus gedrängt haben und zur Herausgabe von Handy und Portemonnaie zwangen. Mit seiner Bankkarte hoben die beiden mutmaßlichen Täter den Angaben zufolge anschließend Geld ab, schlugen den 16-Jährigen und flüchteten mit Bargeld und Mobiltelefon. Die Polizei Gelsenkirchen fahndet nach den beiden Unbekannten. Polizei Gelsenkirchen
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ Laubfreier Blick vom Rathausturm, Führung, Rathaus Buer, 16 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Geschichtsstammtisch, Klause im Michaelshaus, 17 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Chris Hopkins meets the Young Lions, Konzert, Schloss Horst, 19:30 Uhr, Eintritt ab 16 Euro, Alle Infos
Demnächst im Spotlight
19.03.2026 – Köpfe im Spotlight: Sebastian Buntkirchen von Schalke 04
Zum Start unseres neuen monatlichen Talkformats „Köpfe im Spotlight” wollen über den FC Schalke 04 reden. Bestimmt geht's auch kurz um Edin Dzeko und einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga, im Vordergrund soll aber der Verein und die Bedeutung für die Stadtgesellschaft stehen. Unser Gesprächspartner ist Sebastian Buntkirchen, der auf Schalke unter anderem Direktor für Fankultur, Spielbetrieb und Vereinsangelegenheiten ist. Ihn fragen wir: Ist Schalke 04 noch der Identitätsstifter früherer Tage?
19 Uhr ; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
26.03.2026 – Recht auf Ganztag – machbar oder zu hohe Belastung?
Ab 1. August 2026 haben Erstklässlerinnen und Erstklässler Anspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag. Kommunen klagen und fühlen sich vom Land allein gelassen. Träger fürchten, dass die Betreuung eher zu einer Verwahrung wird. Es fehlen Mensen, Personal und Räume.
Wir wollen mit Expert:innen darüber sprechen, was geschehen muss, um das Recht auf Ganztag gewährleisten zu können. Moderiert wird der Abend von CORRECTIV-Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl. Wie immer wollen wir auch mit dem Publikum diskutieren.
19 Uhr ; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Weitere Veranstaltungen im Überblick
+++ 02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Offene Redaktionskonferenz, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos
+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Übrigens: Falls Sie sich, wie wir heute morgen, gewundert haben, dass die Flaggen am Hans-Sachs-Haus heute auf Halbmast wehen: Am 11. März gedenkt die Europäische Union jedes Jahr den Opfern von Terroranschlägen weltweit. Heute ist der Jahrestag der Bombenanschläge von Madrid vor 22 Jahren.
Das war es für diese Ausgabe. Danke und bis die Tage
Tobias Hauswurz
An dieser Ausgabe haben Mario Büscher und Ronja Rohen mitgearbeitet.
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