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Tobias Hauswurz
Redakteur

Hallo zusammen,

die Gelsendienste lieferten bis 2017 Müll zu den Anlagen im Hafen Grimberg, obwohl die Betreiber bereits 2012 wegen illegaler Machenschaften verurteilt wurden. Wir wollen wissen: Warum? 

Darum geht es: Am Dienstag berichteten wir, dass der Hafen Grimberg für die Unternehmensgruppe Becker ein Drehkreuz war, um Abfälle illegal zu entsorgen. Eine Becker-Firma sollte die Deponie Pluto in Herne sanieren, verscharrte dort aber tonnenweise illegale Abfälle. Ein Großteil kam von den Anlagen im Hafen Grimberg, nur wenige Kilometer entfernt. Rund 270.000 Tonnen. Die komplette Recherche dazu können Sie auf der Webseite von CORRECTIV lesen.

Die Urteile: 2012 verurteilte man die Geschäftsführer von Becker, den Betriebsleiter der Anlagen im Hafen Grimberg und seinen Stellvertreter sowie einen Mitarbeiter der Waage dort zu Bewährungsstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr. Die Firma musste 2,5 Millionen Euro Strafe zahlen. 

Darum ist das brisant: Die Gelsendienste lieferten trotz der Verurteilungen weiter Abfälle zum Hafen Grimberg. Fünf Jahre lang. Erst 2017 stoppten sie nach eigener Aussage die Lieferungen. Das Ende ist bekannt: Becker ließ eine Million Tonnen Müll im Hafen Grimberg zurück. Das Gelsenkirchener Umweltamt muss die Entsorgung organisieren, was weit mehr als 70 Millionen Euro kosten wird. Allein die Gelsendienste rechnen mit rund 9,5 Millionen Euro für ihren Anteil an den Müllbergen. Weil die Gelsendienste ein kommunales Unternehmen sind, müssten einen solchen Verlust am Ende wohl die Steuer- und Müllgebürenzahler tragen. 

Die große Frage ist: Warum stoppte Gelsendienste die Lieferungen nicht bereits 2012? Oder anders gefragt: Warum machte ein kommunales Entsorgungsunternehmen weiter Müll-Geschäfte mit verurteilten Müll-Straftätern? 

So funktionierte das Drehkreuz Grimberg: Kommunale Entsorger wie Gelsendienste und etliche andere Firmen lieferten über viele Jahre Müll zu den Anlagen. Becker verarbeitete die Abfälle und leitete sie weiter zur Deponie Pluto, wo sie unter einer Ascheschicht versteckt wurden. Grafik: Laila Sahin/CORRECTIV

Lange Verbundenheit: Laut Gelsendienste schlossen Becker und die Stadtverwaltung 1990 einen Vertrag über die Anlagen im Hafen Grimberg, um Bau- und Aufbruchabfälle zu verwerten. Die Bezirksregierung Münster genehmigte die Anlagen 1993. Der Vertrag lief zunächst 15 Jahre und verlängerte sich um jeweils fünf Jahre, mit einer Kündigungsfrist von drei Jahren. 2015 kündigte Gelsendienste den Vertrag zum 25.06.2018. Gelsendienste stoppte die Lieferungen im Oktober 2017, weil die Anlage im Hafen Grimberg nicht ordnungsgemäß lief. Fünf Jahre früher, nach den Urteilen 2012, hielt man das offenbar nicht für nötig. 

Die folgenden Fragen haben wir Gelsendienste Anfang dieser Woche gestellt: 

  • Hatten die Gelsendienste Kenntnis von den kriminellen Machenschaften und der Verurteilung führender Mitarbeiter der Unternehmensgruppe Becker, einschließlich der beiden Geschäftsführer und des Betriebsleiters der Anlagen im Hafen Grimberg im Jahre 2012? 
  • Falls Ja: 
    • Spielten die genannten Verurteilungen eine Rolle bei der Kündigung des Vertrages im Jahr 2015?
    • Weshalb wurden die Lieferungen nach den Urteilen 2012 nicht eingestellt?
  • Wie viele Tonnen Müll von den Gelsendiensten wurden in den Jahren 2012 bis 2017 zum Hafen Grimberg geliefert?

Bisher haben die Gelsendienste nicht geantwortet. Unternehmenssprecher Tobias Heyne schrieb, die Antworten erforderten erheblichen Rechercheaufwand und könnten nicht kurzfristig geliefert werden. Sobald die Antworten vorliegen, lesen Sie sie hier. 

Wir haben weitere Fragen gestellt, etwa zu den Verträgen zwischen Gelsendienste und Becker und wer dafür verantwortlich war. Auch bei diesen Fragen warten wir noch auf Antworten.

Können Sie helfen, die Fragen zu beantworten? Haben Sie Hinweise, die uns weiterhelfen? Sie können sich jederzeit vertrauensvoll an uns wenden, auch anonym, über die Messenger-App Signal an Tobias Hauswurz unter 0170 7062042 oder an unseren CORRECTIV-Kollegen Michael Billig unter 0151 70670312. Michael ist Experte für Recherchen zu Müll-Verbrechen. Alternativ können Sie den anonymen Briefkasten von CORRECTIV nutzen, um uns geheime Dokumente zuzuspielen. Dort ist auch erklärt, wie das am besten funktioniert und wie Sie Ihre Identität schützen können.


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Heute wichtig

+++ Der dänische Anbieter Donkey Republic übernimmt ab dem 1. April die Verleihstationen von Metropolrad Ruhr in Gelsenkirchen. Zunächst stellt Donkey Republic 50 Fahrräder zur Verfügung. Bis zum Herbst soll die Anzahl auf rund 250 Fahrräder an 60 Standorten im gesamten Stadtgebiet steigen. Stadt Gelsenkirchen

+++ Die Emscher-Lippe-Halle könnte ab Herbst wieder für Eissport genutzt werden. Das berichtet die WAZ unter Berufung auf gut informierte Kreise. Ein Investor plant die Wiedereröffnung der Eishalle und verhandelt derzeit mit der Stadtverwaltung, schreibt die WAZ. Die Halle wurde seit sieben Jahren nicht mehr für Eissport genutzt. Zuvor diente sie zeitweise als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete und während der Corona-Pandemie als Impfzentrum. Seit einiger Zeit steht die Halle leer. WAZ


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Heute machen

Das ist heute in Gelsenkirchen los: 

+++ Sherlock Holmes – Murder & Moor, Live-Hörspiel, Schloss Horst, 19 Uhr, Eintritt 15 Euro, Alle Infos


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Demnächst im Spotlight

01.04.2026 – Power-Point-Karaoke

Beim PowerPoint-Karaoke wird der Vortrag zum unterhaltsamen Abenteuer. Denn hier müssen die Kandidaten eine Präsentation halten, die sie vorher noch nie gesehen haben. Von den besten Tipps zum Überleben bei einer Zombie-Apokalypse über das Machtstreben Napoleons bis hin zum Wegerecht bei Segelbooten ist so ziemlich alles denkbar. Das Publikum entscheidet am Ende, wer am besten präsentiert hat.

Beginn: 19:30 Uhr
; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt 18 Euro (ermäßigt 12 Euro & Community-Ticket 1 Euro)

02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert

Unsere offene Redaktionskonferenz für alle Spotlight-Leserinnen und -Leser. Jeden Monat sprechen wir über die Themen, die Sie bewegen und starten gemeinsam Recherchen. Bei diesem Termin wollen wir vor allem über Jugendkriminalität sprechen. Es ist aber auch Platz für weitere Themen.

07.04.2026 – Live-Podcast „Wir und Heute”: Akten des Missbrauchs – Die Geheimarchive des Vatikans

Ein Zufallsfund eröffnet die Spur zu einem geheimen Vatikan-Archiv: Darin lagern Dokumente über unzählbare Verbrechen im Namen der katholischen Kirche. In einer Spezialausgabe des Podcasts „Wir und Heute” sprechen David Schraven, Martin Kaysh und Marcus Bensmann über die neuen Recherchen von CORRECTIV zum Missbrauch in der katholischen Kirche: „Akten des Missbrauchs” – Die Geheimarchive des Vatikans. Wie die Recherche im Ruhrgebet begann und rund um die Welt bis nach Rom führte.

Beginn: 17 Uhr
; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

09.04.2026 – Olympia oder NOlympia?

Am 19. April dürfen wir alle per Bürgerentscheid mitbestimmen, ob sich Gelsenkirchen an der Bewerbung für olympische Spiele an Rhein und Ruhr beteiligen soll. Im Spotlight diskutieren wir darüber mit der SPD und der Partei Die Linke.

Beginn: 19 Uhr
; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei

Weitere Veranstaltungen im Überblick

+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets

Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen


Gestern Abend besuchte ich die Kinopremiere von „Akten des Missbrauchs – Die Geschichte eines organisierten Verbrechens im Vatikan” im ausverkauften Astra-Theater in Essen. Es war ein bewegender Abend. Zum einen, weil es die erste abendfüllende Dokumentation ist, die wir bei CORRECTIV eigenständig produziert haben – ein großer Meilenstein für uns. Zum anderen, weil auch viele Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester im Publikum saßen. Ein Opfer sagte nach dem Abspann: „Ihr Film hat mich wütend gemacht. Vielen Dank dafür!” CORRECTIV recherchierte acht Jahre für die Dokumentation. Das Ergebnis: Im Vatikan existiert ein geheimes Archiv, das Akten über sexuellen Missbrauch durch Kirchenleute weltweit sammelt. Briefe und Protokolle dokumentieren sexuelle Gewalt gegen Hunderttausende Kinder, vielleicht Millionen. Das Machtzentrum der Kirche kennt das Ausmaß seit Jahrzehnten und schweigt.

Standing Ovations bei der Premiere von „Akten des Missbrauchs” im Astra-Theater in Essen. Foto: Tobias Hauswurz

Die Dokumentation läuft in den kommenden Wochen in ausgewählten Kinos in ganz Deutschland. Am 7. Mai zeigen wir sie auch im Spotlight Café. Hier gibt es Tickets. Schon am kommenden Dienstag (7. April) nehmen unser Publisher David Schraven und der Kabarettist Martin Kaysh einen Live-Podcast zum Thema auf. Sie sprechen mit CORRECTIV-Reporter Marcus Bensmann über die Hintergründe der Recherche, die Marcus leitete. Auch dafür können Sie sich anmelden. Der Eintritt ist frei.

Bis morgen

Ihr

Tobias Hauswurz

An dieser Ausgabe haben Ronja Rohen und Michael Billig mitgearbeitet.


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