
Tobias Hauswurz
Hallo zusammen,
5.855 – so viele Lieferanten hat das Gelsenkirchener Umweltamt im Fall der illegalen Deponie am Hafen Grimberg ermittelt. Fünf – so viele Lieferanten hat das Gelsenkirchener Umwelt bislang kontaktiert, um sie für die Entsorgung der riesigen Müllberge zur Kasse zu bitten. Das Thema wird am heutigen Dienstagnachmittag auch im Umweltausschuss diskutiert. Auslöser war eine Recherche von CORRECTIV und Spotlight Gelsenkirchen: Demnach haben auch die Gelsendienste über Jahre tausende Tonnen Müll zum Hafen Grimberg liefern lassen.
Darum geht es: Bei den Müllbergen am Hafen Grimberg dürfte es sich um eine der größten illegalen Deponien in Deutschland handeln. Eine Million Tonnen Dreck sollen dort am Rhein-Herne-Kanal liegen. Asche aus der Müllverbrennung, aber auch tausende Tonnen Bauschutt, ausgehobener Boden, alter Straßenbelag, Gips- oder Baumischabfall. Seit etwa acht Jahren liegt das Gelände brach. Die Bottroper Unternehmensgruppe Becker betrieb die Anlage jahrelang. Inzwischen stehen die meisten Firmen der Gruppe vor der Insolvenz oder sind schon pleite. Zahlen müssen für die Beseitigung der Müllberge wohl andere. Und das wird teuer: Das Gelsenkirchener Umweltamt geht von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag aus.
Das will das Umweltamt machen: Damit Gelsenkirchen nicht alleine auf den Kosten sitzen bleibt, will die Stadtverwaltung Entsorgungsbetriebe zur Kasse bitten, die in der Vergangenheit Müll zur Entsorgungsanlage liefern ließen. Das Umweltamt beruft sich dabei auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Demnach bleiben Abfallerzeuger für ihren Müll solange verantwortlich, bis er ordnungsgemäß entsorgt wurde. Insgesamt 5.855 Abfallerzeuger hat das Umweltamt im Zusammenhang mit der Deponie ermittelt.
5 von 5.855: Bisher hat das Gelsenkirchen Umweltamt erst fünf der 5.855 ermittelten Abfallerzeuger kontaktiert. Das ist sehr wenig und wirft zwei Fragen auf:
1. Wie ernst ist es dem Gelsenkirchener Umweltamt tatsächlich damit, die Erzeuger zur Kasse zu bitten?
Warum das Umweltamt erst fünf Müllerzeuger kontaktiert hat, wissen wir nicht. Aber: Das Umweltamt darf seit 2023 versuchen, die Verursacher zu kontaktieren. Es läuft also sehr schleppend. Vier der fünf Erzeuger, die das Umweltamt kontaktiert hat, kennen wir: Es sind die Entsorgungsbetriebe von Essen, Herne, Bottrop und Gelsenkirchen selbst. Die Gelsendienste haben für eine mögliche Entsorgung bereits 9,5 Millionen Euro als Rückstellung eingeplant. Darüber haben wir zusammen mit unseren CORRECTIV-Kollegen Mitte Februar berichtet. Alle anderen Unternehmen wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, für die Entsorgung aufzukommen. Das fünfte Unternehmen dürfte RWE sein. Der Energiekonzern streitet gerade mit dem Entsorgungsunternehmen Remondis vor Gericht darum, wer für die Aschen am Hafen Grimberg verantwortlich ist. Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung steht dabei auf der Seite von RWE. Ein erstes Verfahren hatte RWE gewonnen, aber Remondis legte Berufung ein.
2. Wie realistisch ist es überhaupt, dass das Umweltamt so viele Abfallerzeuger zur Kasse bittet?
Wir kennen die 5.855 Unternehmen nicht, die das Umweltamt ermittelt hat. Darunter dürften sehr viele Kleinanlieferer sein. Und es geht um einen sehr langen Zeitraum, in dem Müll zu der Anlage geliefert wurde. Viele Unternehmen dürften also gar nicht mehr existieren.
Was das bedeutet: Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung will nicht alleine auf den Kosten für die Entsorgung des Mülls am Hafen Grimberg sitzenbleiben. Ob es das Gelsenkirchener Umweltamt damit aber tatsächlich ernst meint und noch fraglicher, ob es überhaupt realistisch ist, wirkt auf Grundlage der neuen Zahlen ziemlich fraglich.
So geht es weiter: Nach der Recherche unserer CORRECTIV-Kollegen zum drohenden Millionen-Fiasko bei den Gelsendiensten ist der Hafen Grimberg heute (am Dienstagnachmittag) auch Thema im Umweltausschuss. Die Gelsenkirchener Grünen haben einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Das Gelsenkirchener Umweltamt soll unter anderem die folgende Frage beantworten: „Inwiefern kann ausgeschlossen werden, dass die Öffentlichkeit auf den Kosten sitzen bleibt?”
Heute wichtig
+++ Ein 19-Jähriger Gelsenkirchener ist am Mittwoch vor dem Landgericht Essen wegen Mordes an seiner Mutter verurteilt worden. Laut Gericht tötete der Mann im Juni 2025 seine Mutter mit einer Axt. Der Gelsenkirchener ist aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung teilweise schuldunfähig. Er wurde nicht zu einer Gefängnisstrafe nach Jugendstrafrecht verurteilt, sondern auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Die Zeit
+++ Die Grünen in Gelsenkirchen haben einen neuen Kreisverbandsvorstand gewählt. Kathrin Oeltjen übernimmt von Dennis Nawrot, Meike Gerwin bleibt Co-Vorsitzende. Damit haben die Grünen nach eigenen Angaben erstmals eine weibliche Doppelspitze. Carsten Heidfelder ergänzt den Vorstand als stellvertretender Vorsitzender. Die neuen Grünen-Chefinnen wollen Teilhabe, Gleichstellung und Klimaschutz in den Fokus ihrer Arbeit rücken. Grüne Gelsenkirchen
Pfannkuchenindex heute: 107
0,29 Euro – so viel kostet es am 10. März 2026 in Gelsenkirchen einen Pfannkuchen zu machen.
Veränderung zur Vorwoche: Der Preis ist um zwei Cent pro Pfannkuchen gestiegen. Der Index lag in der Vorwoche bei 100.
Unser wöchentlicher Pfannkuchenindex zeigt an, wie teuer das Leben in Gelsenkirchen ist und wie sich die Preise für Grundnahrungsmittel verändern. Liegt der Index über 100 Punkten, sind auch die Preise gestiegen. Ein Index unter 100 Punkten heißt, dass das Leben im Vergleich zum Indextag günstiger geworden ist.
So rechnen wir:
Als Grundlage für unseren Pfannkuchenindex nutzen wir Omas Originalrezept für Pfannkuchen: 2 Eier, 300 ml Milch, 200 g Mehl, 50 ml Mineralwasser und 25 g Butter pro Pfannkuchen für die Pfanne. Aus diesem Rezept bekommen wir sechs Pfannkuchen. Die tagesaktuellen Preise für die Zutaten notieren wir jeden Dienstagmorgen im Aldi an der Ahstraße. Der Rest ist Dreisatz. Der Tag, an dem der Index festgelegt wurde, war der 17. Februar 2026 mit einem Preis von 0,27 Euro je Pfannkuchen.
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ Laubfreier Blick vom Rathausturm, Führung, Rathaus Buer, 16 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Die freie Darstellung der Natur, Kurs, Kunstschule Gelsenkirchen, 17:30 Uhr, Eintritt 30 Euro, Alle Infos
+++ Sorry, Baby, Kommunales Kino, Schauburg, 17:45 und 20:15 Uhr, Eintritt ab 3 Euro, Alle Infos
+++ Live Podcasterei, Live-Podcast, Kaue, 20 Uhr, Eintritt ab 12 Euro, Alle Infos
Demnächst im Spotlight
19.03.2026 – Köpfe im Spotlight: Sebastian Buntkirchen von Schalke 04
Zum Start unseres neuen monatlichen Talkformats „Köpfe im Spotlight” wollen über den FC Schalke 04 reden. Bestimmt geht's auch kurz um Edin Dzeko und einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga, im Vordergrund soll aber der Verein und die Bedeutung für die Stadtgesellschaft stehen. Unser Gesprächspartner ist Sebastian Buntkirchen, der auf Schalke unter anderem Direktor für Fankultur, Spielbetrieb und Vereinsangelegenheiten ist. Ihn fragen wir: Ist Schalke 04 noch der Identitätsstifter früherer Tage?
19 Uhr ; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
26.03.2026 – Recht auf Ganztag – machbar oder zu hohe Belastung?
Ab 1. August 2026 haben Erstklässlerinnen und Erstklässler Anspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag. Kommunen klagen und fühlen sich vom Land allein gelassen. Träger fürchten, dass die Betreuung eher zu einer Verwahrung wird. Es fehlen Mensen, Personal und Räume.
Wir wollen mit Expert:innen darüber sprechen, was geschehen muss, um das Recht auf Ganztag gewährleisten zu können. Moderiert wird der Abend von CORRECTIV-Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl. Wie immer wollen wir auch mit dem Publikum diskutieren.
19 Uhr ; Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Weitere Veranstaltungen im Überblick
+++ 02.04.2026 – Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Offene Redaktionskonferenz, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt frei, Alle Infos
+++ 07.05.2026 – „Akten des Missbrauchs”: Film-Screening mit Q&A, Spotlight Gelsenkirchen, Eintritt 8 Euro, Alle Infos & Tickets
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Montags ist bei uns im Café Ruhetag. Ich habe gestern trotzdem von dort gearbeitet. Am Nachmittag klopfte eine unserer Leserinnen mit einer Bekannten an die Tür. Sie hatte den Ruhetag nicht auf dem Schirm. Sie lobte unsere Arbeit und sagte, dass sie in ihrem Umfeld fleißig Werbung für uns macht. Das hat mich sehr gefreut. Die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda, von Mensch zu Mensch, ist für unser Wachstum wichtiger als Werbung auf Instagram und Facebook.
Deshalb möchte ich Sie bitten: Sprechen Sie über uns, wenn Ihnen unsere Arbeit ebenfalls gefällt. Und leiten Sie diesen Newsletter bitte an Freunde und Familie weiter. Wenn Ihnen unsere Arbeit mal nicht gefällt: Wir freuen uns über Ihr Feedback an gelsenkirchen@correctiv.org. Oder sprechen Sie uns hier im Café darauf an.
Vielen Dank und bis die Tage
Tobias Hauswurz
An dieser Ausgabe haben Mario Büscher, Ronja Rohen und Michael Billig mitgearbeitet.
Worträtsel
Können Sie das heutige Worträtsel lösen? Wie immer winken 10 Prozent Rabatt bei uns im Café bei Nennung des heutigen Lösungswortes!
So funktioniert's:
Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.
- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
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