
Bennet Brinkmann
Guten Tag zusammen,
in dieser Woche beschäftigen wir uns mit den Ergebnissen unseres CrowdNewsrooms zu den Problemen mit Jugendkriminalität in Ückendorf. Gestern bekamen wir eine kritische E-Mail eines Lesers. Er ärgerte sich darüber, dass wir das Umfeld von mutmaßlichen Tätern nicht klar benennen würden. Tatsächlich hatten wir uns für die heutige Ausgabe vorgenommen, das genauer zu beleuchten: Viele der Kinder- und Jugendlichen sollen aus Roma-Familien kommen, die rund um die Ziegel- und Lazarettstraße wohnen. So berichten es zumindest Anwohner in unserem CrowdNewsroom und in Gesprächen mit unserer Redaktion. Auch die Politik kennt den Standort seit Jahren.
Darum geht's: In unseren vergangenen Ausgaben haben wir über Lärmbelästigungen und Müll, aber auch Gewalt von Jugendlichen in Ückendorf berichtet. Viele Anwohner haben uns über einen CrowdNewsroom ihre Erfahrungen geschildert. Die Stadtverwaltung möchte unter anderem durch eine stärkere Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und der Polizei die Probleme angehen. Doch wie nachhaltig können die aktuellen Maßnahmen die Probleme lösen?
Polizei probiert verschiedene Ansätze aus: Vor einigen Wochen gab es zusammen mit dem Kriminalkommissariat eine Veranstaltung im SPUNK. Die Vorstellung des Polizeiberufs im Jugendzentrum sollte den Jugendlichen die Angst vor der Polizei nehmen und gleichzeitig sensibilisieren. Sebastian Kolkau vom SPUNK sah das als eine gute Möglichkeit, in den Dialog zu kommen. Auch die Polizei möchte die Veranstaltung laut ihm wohl gerne wiederholen.
Suche nach Intensivtätern: Die Polizei habe die Möglichkeit auch nutzen wollen, um mögliche Intensivtäter vor Ort anzutreffen – allerdings ohne Erfolg. Wer genau die Jugendlichen sein sollen, wurde dem SPUNK nicht genannt. „Da können wir dann wenig machen“, sagt Kolkau. Und weiter: „Das zeigt aber auch, dass die Kinder, die unsere Einrichtung nutzen, nicht zu den Intensivtätern gehören.“
Gefahr der Stigmatisierung: Wir hatten bisher keine Möglichkeit mit Jugendlichen, die beschuldigt werden, direkt zu sprechen. Sebastian Kolkau steht mit ihnen aber teilweise im Austausch – auch wenn sie sich nicht im Jugendzentrum aufhalten. Besonders Jugendliche aus Roma-Familien berichten ihm von Stigmatisierung: „Die Jugendlichen nehmen viel als Diskriminierung wahr – oft begründet mit ihrer Herkunft.“
Jugendliche nehmen Bad-Boy-Image an: Lena Wiese ist Migrationsforscherin und im Verein für die solidarische Gesellschaft der Vielen e.V. In Duisburg forscht sie unter anderem zu Antiziganismus und arbeitet mit Jugendlichen. Sie kann dieses Gefühl bestätigen: „Rassismus gegenüber Roma ist weit verbreitet, besonders in den Schulen.“ Diese Ablehnung führe in vielen Fällen auch dazu, dass die Jugendlichen diese Rolle annehmen. Das könne die Jugendkriminalität begünstigen: „Sie haben das Gefühl nichts zu gewinnen und erfüllen dann dieses Bad-Boy-Image.“
Armut der größte Faktor: Laut Wiese werde in Diskursen oft der Faktor der Armut ausgeblendet. Dieser sei allerdings ausschlaggebend für viele Probleme. „Das sind keine ethnischen Gründe, die zu den Problemen führen“, betont sie. Laut ihr sorge die Armut oft für das Gefühl von Perspektivlosigkeit bei den Jugendlichen.
Wohnsituation fördert Probleme: Wiese und Kolkau sehen in diesem Zusammenhang auch die Wohnsituation als Problem. Besonders von Armut betroffene Roma-Familien müssten auf engem Raum zusammenleben. „Durch die Wohnsituation kriegt der öffentliche Raum für die Familien eine ganz andere Bedeutung“, sagt Wiese. Oft teilen sich Geschwister ein Zimmer. Das führe zum Beispiel auch dazu, dass „die Kinder auf ihre Geschwister aufpassen müssen und nicht lernen können“, erklärt sie weiter. Kolkau sagt, dass so viele Faktoren zusammenkämen, die das Verhalten der Jugendlichen begünstigen.
Städtebauliche Entwicklung: Sebastian Watermeier, Landtagsabgeordneter der SPD für den Gelsenkirchener Süden, sagte kürzlich in einem Video auf Instagram, der Bereich um die Ziegelstraße brauche eine städtebauliche Entwicklung. Konkrete Details dazu, ob schon in Planung ist, dort Problemimmobilien zu kaufen und abzureißen, nannte er nicht. Im Gespräch ist aber bereits seit einiger Zeit, den Bereich zusammen mit dem angrenzenden Geldbach-Areal zu entwickeln.
Mehr Austauschmöglichkeiten: Lena Wiese sieht vor allem sozialpolitische Faktoren als Ursache für Probleme der Jugendkriminalität. Für ein besseres Miteinander in der Nachbarschaft fordert sie bessere Austauschmöglichkeiten: „Gezielte Begegnungen müssen Ängste abbauen.“ Sie wisse, dass es solche Treffen bereits in vielen Vierteln gebe. Trotzdem müsste dieser Ansatz noch mehr gefördert und gerade Jugendeinrichtungen mehr unterstützt werden.
Ückendorf braucht langfristige politische Lösungen: Gezielte Jugendarbeit und bauliche Stadt(teil)entwicklung könnten ein Schlüssel sein. Vermehrte Polizeikontrollen, mehr KOD-Streifen oder Bürgersprechstunden wirken aktuell eher als Symptombekämpfungen – wenn überhaupt.
Recherche nicht zu Ende: Wir werden die Situation in Ückendorf für Sie weiter beobachten. Unsere Redaktion möchte auch in Zukunft mit den Menschen vor Ort in den Austausch gehen und über die Entwicklungen berichten. Kommen Sie deshalb gerne auf uns zu oder schreiben Sie uns, wenn Sie neue Entwicklungen beobachten. Wir freuen uns auf Ihre Nachrichten!
Heute wichtig
+++ Das Schalker Vereinslokal „Bosch“ hat einen neuen Pächter. Wie die WAZ berichtet, soll Vesko Bukumiric die Kneipe an der Glückauf-Kampfbahn übernehmen. Der Gelsenkirchener betreibt bereits das „Kiek ma rin“ in der Feldmark und den „Warsteiner Treff“ in der Altstadt. Die alten Besitzer konnten das „Bosch“ aus privaten Gründen nicht weiterführen. Wann die Kneipe wieder öffnet, steht noch nicht fest. Bukumiric wartet aktuell noch auf die Konzession. WAZ
+++ Seit Anfang Juni schmücken bunte Lampions die Bahnhofstraße und die Arminstraße. Die City Initiative Gelsenkirchen hängt in den kommenden Tagen 650 davon auf. Der Verein möchte mit der Aktion die Innenstadt für Besucherinnen und Besucher aufwerten. Die Lampions sind jeweils 50 Zentimeter groß und leuchten in elf verschiedenen Farben. Sie sollen voraussichtlich bis Ende Oktober hängen bleiben und auch im nächsten Jahr die Innenstadt wieder verschönern. Gelsenkirchen City

20 Minuten Gelsenkirchen
Nach einer kurzen urlaubsbedingten Pause gibt es jetzt eine neue Folge unseres Podcasts mit Radio Emscher Lippe. Tobi und Lennart sprechen über die neueste CORRECTIV-Recherche zur illegalen Müllhalde im Hafen Grimberg. Außerdem geht’s noch um den neuen Bildungscampus und das Schulgebäude, das bald auf dem Gelände des ehemaligen Zentralbades gebaut wird.
Die Folge gibt’s zum Anschauen bei Youtube und zum Hören überall, wo es Podcasts gibt.
Heute machen
Das ist heute in Gelsenkirchen los:
+++ 32. City Nacht von Schaffrath, Radrennen, Schaffrath, ab 14 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Alter jüdischer Friedhof, Führung, Jüdischer Friedhof in Gelsenkirchen-Horst, 17 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Strick & Drink, Kreativtreff, Lokal ohne Namen, 18.30 Uhr, Eintritt frei, Alle Infos
+++ Il Gran Finale, Tanzaufführung, Musiktheater, 19.30 Uhr, ab 8 Euro, Alle Infos
Spot On: der Kulturtipp fürs Wochenende
Präsentiert von GelsenMyLove:
Das Dorf im Dorf im Dorf: Die Reihe "KI-Dorf" startet am Samstag im irgendDorf in Ückendorf mit Autor Daniel Falb. Diskutiert gemeinsam über KI in Literatur & Medientheorie. Weitere Termine: 7., 13. & 14. Juni über die Themen: Schule, Inklusion, Arbeit & Gesellschaft.
+++ Samstag, 6.6.2026, 15–18 Uhr; irgendDorf, Bochumer Str. 108; Eintritt frei, ohne Anmeldung.
Blog, Instagram, Newsletter: Kirsten Lipka zeigt unter GelsenMyLove, was Gelsenkirchen kulturell zu bieten hat. Und ab nun auch jeden Donnerstag im Spotlight.

Demnächst im Spotlight
11.06.2026 – Kirchennachnutzung: Was wird aus unseren Gotteshäusern?
Gemeinden werden zusammengelegt, Gottesdienste bleiben leer und Kirchen werden entweiht. Wie kann eine Nachnutzung aussehen? Darüber wollen bei uns im Café Spotlight diskutieren. Mit dabei sind Heiner Montanus, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises in Gelsenkirchen und Wattenscheid und Kim Lempelius vom Kunstfestival Manifesta.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
25.06.2026 – Kneipenquiz im SPOTLIGHT
Es ist soweit: Die zweite Runde unseres Kneipenquiz geht an den Start. Wer hat für Schalke das bisher letzte Tor in der Bundesliga geschossen? Welche Städte erkennen Sie auf einen Blick? Und wie Gelsenkirchen-Fit sind Sie? Es wird ein paar kleine Neuerungen geben. Für das Gewinner-Team winkt aber wieder eine Überraschung, eine Medaille und ewiger Ruhm.
Beginn: 19 Uhr ; Ort: Spotlight Gelsenkirchen, Arminstraße 15, 45879 Gelsenkirchen; Eintritt frei
Alle unsere Veranstaltungen finden Sie unter gelsenkirchen.correctiv.org/veranstaltungen
Nach drei Tagen, in denen wir viel über die Probleme in Ückendorf berichtet haben, steht der nächste Feiertag an. Genießen Sie den freien Tag mit Ihren Liebsten, bevor wir uns hoffentlich am Freitag wiederlesen.
Bis dahin!
Ihr
Bennet Brinkmann
An dieser Ausgabe hat Tobias Hauswurz mitgearbeitet.
Worträtsel
Können Sie das heutige Worträtsel lösen?
So funktioniert's:
Erraten Sie das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Es sind nur gültige deutsche Wörter zugelassen.
- Grün: Buchstabe ist richtig und an der richtigen Stelle.
- Gelb: Buchstabe ist richtig, aber an der falschen Stelle.
- Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
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